Schulpartnerschaften Hamburg - León „Container" mit Schulmaterial
 

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Anfang der 80er Jahre bildeten sich in Hamburg zahlreiche Initiativen, die soziale Projekte in Nicaragua unterstützten. Das kleine, kaum 3 Mio. Menschen zählende Land stürzte 1979 aus eigener Kraft einen Diktator, der sich an Ländereien und Besitztümern über ¼ des gesamten gesellschaftlichen Reichtums angeeignet hatte - mit brutaler Gewalt, wie es Diktatoren gewöhnlich tun. Die „Sandinistische Revolution" wurde zum Leitbild für viele sozial und politisch motivierte Menschen dieser Zeit, die im Deutschland dieser Zeit ihre Ideale immer weiter schwinden sahen.

Die ersten Kontakte zwischen Hamburger und Leóner Schulen gab es 1984, als politisch motivierte Reisende (meistens Lehrer) die Idee von Schulpartnerschaften zwischen dem reichen Hamburg und dem armen León mitbrachten. Im Rahmen der GEW gründete sich 1985 die Mittelamerikagruppe, die zusammen mit dem Nicaragua-Verein Hamburgs den ersten Container mit Schulmaterial nach León auf den Weg brachte. In diesem Jahr entstand zum erstenmal die Vorstellung von einer Städtepartnerschaft Hamburgs mit León.

Der Container wurde im Rahmen einer Aktionswoche „Hamburger tun was für León" gepackt. An der Materialsammlung waren 25 Hamburger Schulen beteiligt; 16 Kubikmeter Unterrichtsmaterial im Wert von 43.000,- DM wurden nach León geschickt.

Der 2. Container 1986 war noch umfangreicher. Die GEW Hamburg beschloß, ihn regelmäßig jedes Jahr zu versenden. Die Zahl der Schulkontakte und Partnerschaften wuchs weiter; immer mehr Kollegen und Schüler reisten nach Nicaragua. Aus lockeren und zufälligen Schulkontakten entstanden feste Partnerschaften, viele von ihnen offiziell durch Beschluss von Schulkonferenzen.

Die Hamburger GEW und ANDEN León nahmen offiziellen Kontakt auf; die gewerkschaftliche Verbindung beider Städte diente als Dach der Schulpartnerschaften und erleichterte deren Organisation. Schüler beider Städte nehmen seit 1989 an einem Schüleraustausch teil, der vom Hamburger Senat finanziert und den Jugendorganisationen Leóns und der AGfJ Hamburg organisiert wird. Im selben Jahr wird schließlich eine Städtepartnerschaft zwischen den jeweils zweitgrößten Städten beider Länder in einem feierlichen Akt unterschrieben.

Gerd Schumann

Der 18. Container hat seine Hürden überwunden

Zum 18. Mal seit 1983 wurde ein Container mit Schulmaterialien gepackt und Ende Juni verschifft. Bernarda Lopez (Vorsitzende der Lehrergewerkschaft in León) hat an den verschiedenen Packterminen teilgenommen und hat miterlebt, wieviel Arbeit von Lehrern und Schülern an 'praktischer Solidarität' geleistet wird. Sie war tief beeindruckt, dass diese viele Arbeit nun schon seit 20 Jahren immer wieder gemacht wird.

Inzwischen ist der Container in León angekommen, die Zollformalitäten sind so gut wie überwunden und in den nächsten Tagen wird er mit einem öffentlichen Fest auf dem zentralen Platz vor der Kathedrale übergeben werden. Dieser bunte und lebendige Festakt unterstreicht immer wieder die Wichtigkeit des Containers für die Leóner. Durch unsere Spenden erhält an vielen Schulen jedes Kind wenigstens das wichtigste Material wie Stifte, Hefte oder Papier. Materialien, die vor allem auf dem Lande nicht selbstverständlich sind und für manche Kinder bedeuten, dass sie überhaupt zur Schule gehen können. Auch den Lehrkräften wird dadurch die Arbeit ein wenig erleichtert. Aber neben der materiellen Hilfe ist noch ganz wichtig politische Wirkung dieser Solidaritätsaktion: Der Container und die Schulpartnerschaften sind für die Lehrergewerkschaft ANDEN der wichtigste Weg, die Kommunikation zwischen der Gewerkschaft und der Lehrerschaft von León zu eröffnen und aufrecht zu erhalten, besonders wichtig in schwierigen Zeiten wie gerade jetzt.

Um so unerfreulicher ist, dass der Organisation und Abwicklung des Containers durch die nicaraguanische Regierung immer mehr Hindernisse in den Weg gestellt werden. In diesem Jahr hat die Senatskanzlei spontan geholfen, neu erhobene Zollbearbeitungsgebühren auszugleichen. Vielen Dank! Die Kosten und die bürokratischen Hürden wachsen jedoch in einem Maß, dass jetzt erneut diskutiert werden muß, ob diese Aktion nicht auf andere Art kostengünstiger realisiert werden kann, ohne dass die vielen positiven Aspekte dieser Partnerschaft verloren gehen – in León wie in Hamburg.

Gerda Palmer

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