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Globales Lernen: Unterrichtsmaterial |
HOMEPAGE Materialien Sek I/II Armut |
Armut
und Armutsbekämpfung -
bei uns und im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit
Bezug zu Fächern und Aufgabengebieten: u.a. Religion, Erdkunde, Geschichte, Deutsch, Neuere Fremdsprachen, Bildende Kunst, Musik, Interkulturelle Erziehung
Inhalte und Tätigkeiten
· Was ist Armut?
·
Zahlen und Statistiken
Das Ausmaß globaler, nationaler, lokaler Armut
wird untersucht – bei gleichzeitiger Sensibilisierung für die gängige
Einengung statistischer Darstellungen auf Einkommensarmut.
· Gruppenarbeit
· Geschichten, Filme und Lieder über die Armut (s. Anm. und Mat.)
Anmerkungen: Das Arrangement für die Lernsituation „Armut“ regt über eine Bilddatei (s. Mat. 8 u. 16) die bewusste Verarbeitung von Bildern, den Perspektivwechsel und die Empathie an. Bilder über andere haben zudem den Vorteil, dass – im Falle der von Armut betroffenen Schülerinnen und Schüler – die gewünschte Distanz bewahrt bleibt und die Einordnung der eigenen Lebensverhältnisse durch den Vergleich möglich wird. Bei der Auswahl der Bilder ist darauf zu achten, dass Klischeevorstellungen nicht weiterer Vorschub geleistet und die Vielzahl der Erscheinungsformen von Armut erkennbar wird. Alternativ (v.a. bei einer Beteiligung des Faches Religion) ist der Einsatz eines oder mehrerer der didaktisch hervorragend bearbeiteten Hungertücher (s. Unterrichtsmaterial ) möglich. Dies gilt auch für einige der folgenden Gruppenaufgaben, z.B. „Armut ist weiblich“.
Der dabei schnell aufkommenden Frage, was denn Armut überhaupt ist, soll bei der Besprechung der Bildauswertungen genügend Raum gelassen werden. Sie kann Anlass zu Gesprächen innerhalb der Familie und zwischen den Generationen sein und schärft die Wahrnehmung. Bei dem Blick auf die Armut in Deutschland muss v.a. die überproportionale Armut unter Kindern, in kinderreichen Familien, von Alleinerziehenden, Arbeitslosen und Migranten zur Sprache kommen.
Bei der Begriffsfindung reicht es nicht aus, sich an den gängigen Definitionen von absoluter und relativer Armut zu orientieren. Unterschiedliche Dimensionen, wie sie sich v.a. aus der Wahrnehmung der Betroffenen ergeben (Robert Chambers u.a.) – soziale Minderwertigkeit, Isolation, Krankheit und körperliche Gebrechen, Verletzlichkeit und mangelnde Sicherheit, Machtlosigkeit und Abhängigkeit, Erniedrigung – müssen helfen, die gängige Perspektive der Wohlhabenden zu differenzieren, die Armut vor allem als materielle Einkommensarmut wahrnehmen. Armut ist nach den UNDP-Berichten über die menschliche Entwicklung sehr häufig ein Menschenrechtsproblem, so dass die Frage, was denn Menschenrechte sind, ebenfalls geklärt werden muss. In Zeiten dynamischer Globalisierung und verschärften Wettbewerbs bedarf dabei die Chancengerechtigkeit einer Stärkung gegenüber der allseits propagierten Leistungsgerechtigkeit. Bei dieser Diskussion erweist es sich nicht als besonders sinnvoll, „Reichtum“ als Gegenbegriff heranzuziehen, es sei denn in seiner weiten Bedeutung als „gutes Leben“ (well-being).
Mit dem auf diese Weise neu gewonnen Bewusstsein kommt die Auswertung von Statistiken und räumlichen Darstellungen von „Armut“ (z.B. mittels des Human Development Index – HDI) zu differenzierteren und vorsichtigeren Aussagen. Die Relativität von Armut wird erkennbar. In jedem Fall ist aber gerade bei diesem Thema eine technokratische Behandlung zu vermeiden (Zahlen sagen über Armut wenig aus.). Der v.a. durch die Medienberichterstattung weit verbreiteten Gleichsetzung von Entwicklungsländern (oder Afrikas) mit Armut kann dadurch entgegengewirkt werden, dass die kreative Überwindung von Armut und die Wahrnehmung von Armut im Nahraum (s. Gruppenarbeit) stärker in den Mittelpunkt gerückt werden.
Die Herausforderung, Armut in seinen vielfältigen Facetten und neben seinen materiellen auch in seinen emotionalen, sozialen und kulturellen Dimensionen zu ergründen, ist wohl nur mit Hilfe der Medien, d.h. mit Hilfe von Filmen, Geschichten, Liedern und Bildern möglich. Das macht deutlich, welche Rolle die Fächer Deutsch, Neuere Fremdsprachen, Bildende Kunst und Musik neben den gesellschaftswissenschaftlichen Fächern und der Religion spielen, denen diese Thematik häufig zugeschrieben wird.
Die hier vorgenommen Buch- und Filmempfehlungen (s.u.) sind gut begründet aber natürlich eine sehr subjektive Auswahl aus einer Vielzahl von Möglichkeiten.
| Erstellt: 11.11.96 | Modifiziert: 21.07.01 |