A. Einführung (für Sek II)
Begriff
Unter Welthandel fasst man die Gesamtheit der
wirtschaftlichen Beziehungen zusammen, die zwischen den Volkswirtschaften der
Erde in ihrem gegenseitigen Austausch von Waren, Kapital und Dienstleistungen
bestehen. (also: Wahrenverkehr, Dienstleistungsverkehr, Kapitalverkehr). Seine
Ergebnisse erscheinen in der Zahlungsbilanz eines Landes.
Zahlungsbilanzen informieren über Produkt-, Leistungs- und
Kapitalströme. Interessant ist vor allem, was zwischen den Zahlen steht
(Ursachen, machtpolitische Interessen, gesellschaftliche Zusammenhänge,
Auswirkungen für den Einzelnen).
Konfliktfelder (Makroebene)
- Wertekonflikt: nach dem Wegfall des West-Ost Konflikts
Gegensatz zwischen neoliberalem Ansatz (Profitmaximierung,
Konkurrenzfähigkeit, Markt als (Schein)regulativ) und Leitbild der
zukunftsfähigen Entwicklung (Agenda 21)
- Rivalität sich widersprechender Großkonzepte:
Regionalismus vs Weltwirtschaftsordnung
- Rivalität der ökonomischen Supermächte USA - Europa
(Einflusssicherung durch regionale Integrationsprojekte und
Instrumentalisierung internationaler Organisationen wie WB, IWF, WTO)
- Finanzmärkte werden immer weniger ihrer Sevicefunktionen
für Produktion und Handel gerecht (Spekulationsgeschäfte sind explodiert
und haben sich verselbständigt; börsentägliche Weltweite Umsätze ca.
1.500 Mrd. US $)
- Krisenanfälligkeit der Finanzmärkte (panikartige
Abflüsse und Zuflüsse haben ganz wesentlich die Asienkrise geprägt)
- Macht der institutionellen Investoren (Pensionsfonds,
Versicherungen, Investitionsfonds): Kapitalanlagen Mitte der 90 in Höhe von
20.950 Mrd. US $; das BIP der G7 betrug zur gleichen Zeit nur etwa 17.150
Mrd. US $)
- Fehlen einer konsequenten internationalen Strukturpolitik
(Leitvorstellungen überlagert von nationalstaatlichen Machtinteressen (u.a.
auch konjunkturabhängig) oder sektoralen Ansprüchen: z.B. hohe
Subventionierung der Transportkosten oder Umwelt- und Sozialstandards vs
Liberalisierung und Deregulierung der Märkte). Mangelnde Abstimmung
hinsichtlich Zielen, Strategien und Kompetenzen zwischen den internationalen
Organisationen (IWF, WB, WTO, UNCTAD, UNDP u.a.)
- Fusionskarussel: Fusionen durch Profitfantasien an den
Börsen stimuliert; schränken den Wettbewerb ein, der andererseits durch
Maßnahmen gegen staatlichen Protektionismus gestärkt werden soll. Ironie
des Schicksals: Untersuchungen zeigen, dass die Gefahr von
Unternehmenszusammenbrüchen mit der Größe wächst
- Machtzuwachs der TNK auf Kosten staatlicher Souveränität:
die Hälfte des Welthandels wird innerhalb der TNK abgewickelt (Welthandel
ist zum großen Teil Global Sourcing)
- relativ niedrige Rohstoff- und Energiepreise auf dem
Weltmarkt und damit verbunden wachsende Umweltschäden
Pädagogische Herausforderung
An der individuellen Einbindung des Einzelnen in den
Welthandel ansetzen (als Konsument, als Beschäftigter; an Betrieben mit
Welthandelsbezug in der eigenen Stadt) und über die Erkundung konkreter
Handelsverflechtungen (z.B. textile Kette) abstrakte Strukturen kennen lernen
und verstehen, um vor dem Hintergrund zukunftsfähiger Leitbilder eigene
Handlungsmöglichkeiten zu erkennen (z.B. Konsum fair gehandelter Produkte) und
Bereitschaft zur politischen Mitgestaltung zu entwickeln.
Unterrichtsansätze
Orientierung und Überblick
- TERRA Erdkunde SII, Räume und Strukturen, Klett-Perthes 1999, S. 302-319
- SEYDLITZ Geographie SII Bd. 2, Schroedel 1999, S 222-233
- Mensch und Raum; Geographie 11, 12/13 (Neubearbeitung erscheint zum
Schuljahresbeginn 2000/2001), Gymnasiale Oberstufe Nordrhein-Westfalen,
Cornelsen 2000, verschiedene Kapitel
- Welthandel im Agrarsektor, RAAbits Geographie 12/98, 9 S.
- Ausstellung "Stopp Globalisierung" (BUKO Agrar Koordination)
- Reichert/Desai: Die Welthandelsdebatte. Eine Herausforderung für den
Fairen Handel, Misereor 1999
- Welthandel im letzten Jahrhundert (in: Deutschland 2000. Wandel Wachstum
Wohlstand. Eine Bilanz des 20. Jahrhunderts; Hg. Institut der deutschen
Wirtschaft Köln)
Produktbeispiele
- Weizen (z.B. PG 12/99)
- Garnelen (z.B. GR 49, 1997, Bali)
- Zucker (z.B. BUKO Agrar Dossier I; Zum Beispiel Zucker, Lamuv Verlag 1998)
- Kakao (z.B. BUKO Agrar Dossier 16)
- Orangensaftkonzentrat (z.B. B. Pilz: Zum Beispiel Orangen; Kinderarbeit und
Orangensaft, Hg. Dritte Welt Haus Bielefeld; Bittere Orangen, Hg. Südwind;
Orangensaft, Hg. TransFair)
- Bananen (z.B. Misereor Materialien für die Schule 19; Zum Beispiel Bananen,
1998)
- Tee (z.B. Misereor Materialien für die Schule 19)
- Kaffee (z.B. Misereor Materialien für die Schule 19)
- Soja (z.B. BUKO Agrar Dossier 19, 1998)
- Textilien
- Sportschuhe (siehe Aktion Fit for Fair)
Problemfelder
- Handelsrecht vs. Umweltrecht (z.B. Der Kritische Agrarbericht 2000)
- Folgen der Globalisierung für den ländlichen Raum (z.B. GS 2/98)
- Agrarhandel und Ernährungssicherheit (z.B. Wolpold-Bosien S. 131-138)
Fallbeispiele
- Handelskonflikte: Beispiel Hormonfleisch (z.B. Der Kritische Agrarbericht
2000)
- Auswirkungen des Welthandels auf die Fischerei am Viktoriasee (z.B. GR 49,
1997)
- Freihandelszonen in der Karibik (z.B. GR 49, 1997)
- Rindfleischdumping West-/Südafrika (z.B. Ausstellung "Stopp
Globalisierung"; Wolpold-Bosien S.145f)
Länderbeispiele
- Uruguay (z.B. GR 50, 1998)
- Deutschland (z.B. PG 9/1996)
Kampagnen
Problemlösungsansätze
- Fairer Handel (z.B. NORD-SÜD aktuell
1.Quartal 1999; medieninformationen entwicklungspolitik 30/1999)
Erkundungen
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| Erstellt: 3.1.1999 |
Modifiziert: 21.07.01
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