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Globales Lernen:
Unterrichtsprojekte (3)
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Unterrichtsprojekte

Fremd und Fern der Heimat

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Unterrichtsmaterial
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Lernorte und Kontakte
Beratung

Zielgruppe: ab Klasse 7

Kurzbeschreibung

Wer sind die Fremden? Kriegsflüchtlinge, Asylsuchende, Aussiedler, Ausländer...? Trotz der verwirrenden Vielfalt an kulturellen Hintergründen und Migrationsursachen gibt es Gemeinsames: Sie haben ihre Heimat verlassen, fühlen sich meist fremd und werden als Fremde wahrgenommen. Obwohl unsere Schülerinnen und Schüler (und wir) ihnen fast überall begegnen - in der Schule, beim Einkaufen, in der S-Bahn - wissen wir oft nur wenig Genaues darüber, warum sie in Deutschland sind und wie sie sich hier fühlen. Verschärfungen in der Asylgesetzgebung, eine Medienberichterstattung, die Aufsehen erregende Einzelfälle herausgreift, wachsende Sorge um die Wahrung unserer Besitzstände, die Zunahme von Gewalt und organisierter Kriminalität, in die oft auch Ausländer verwickelt sind, breiten über alles einen Schleier von Illegalität, Unsicherheit, Bedrohung, führen zu Ängsten und Vorurteilen und gar nicht so selten zu subtilem oder offenem Rassismus. Wie soll man sich auch mit jemandem solidarisieren, den man gar nicht kennt? Aus dieser Situation ergeben sich die Grundlinien eines Projektprogramms: Kennen lernen, Hintergründe erkunden, sich solidarisieren.


Vorschläge zum Ablauf:

  1. Einstieg mit einem Film der ZDF Serie "Karfunkel". Die Filme berichten vom Alltag ausländischer Kinder, von ihrer täglichen Reise zwischen Ursprungskultur und den Spielregeln der Gastkultur: z.B. "Der Baum der Wünsche" oder "Der Vogel mit dem gebrochenen Flügel" (s. Medien). Alternative: Schüler und Schülerinnen ziehen ein "Flüchtlings-Los" (s. Beispiel) und lesen es laut vor. Danach könnte gefragt werden: Was haben Akber, Felizmina, Juana usw. gemeinsam?)


    Flüchtlingslos

    "Ich heiße Akber, bin 17 Jahre alt. Mit meinem Bruder bin ich aus dem zerbombten Kabul nach Deutschland geflohen. Mein Vater wurde von den Mudschahidin verhaftet und tauchte nie wieder auf. Meine Mutter schickte uns dann fort, bevor sie auch uns festnehmen konnten. Es kann sein, dass ich im nächsten Jahr abgeschoben werde, wenn ich 18 bin."
    (Die Idee, "Flüchtlings-Lose" ziehen zu lassen, wurde erstmals in großem Umfang auf dem 90. Deutschen Katholikentag 1990 in Berlin durchgeführt)


  2. Das Gespräch über die Filme dient u.a. auch der Formulierung von Leitfragen für das Projekt und der Vorbereitung von Begegnungen mit Ausländern in Erstversorgungseinrichtungen, Asylunterkünften, Jugendwohnungen, Begegnungszentren, Auffang-, Übergangs- und Vorbereitungsklassen (Vermittlung durch AK- Asyl, s. Kontaktadressen). Die Gruppen sollten vorher möglichst klare Vorstellungen entwickeln, was sie erkunden möchten, wie sie die Gespräche führen wollen, wie diese Kontakte und ihre Fragen auf die Gesprächspartner wirken. Wenn möglich dokumentieren sie ihre Begegnung (Gesprächsnotizen, Tonbandaufnahmen, Fotos).
  3. Auswertung der Begegnungen in den einzelnen Gruppen und Bericht an die gesamte Projektgruppe.
  4. Die Berichte werden im wesentlichen zwei Fragenkomplexe aufwerfen:

    Daraus ergibt sich eine zweite Erkundungsphase (in kleineren Gruppen):

  5. Die Erkundungsergebnisse werden der gesamten Gruppe mitgeteilt, diskutiert, dann aber auch visualisiert und schriftlich festgehalten. Sie dienen damit zugleich als Grundstock für eine abschließende Ausstellung oder Veröffentlichung in der Schülerzeitung, lokalen Presse oder Schulhomepage.
  6. Das Planspiel "Atlantika-Insel der Zuflucht" (Dauer: je nach Intensität 5 - 20 Stunden, s. Markus, I.R./ Schulze-Vogel, T./ Schulze, H.: Globales Lernen) kann einen abschließenden Erfahrungsaustausch, die Urteilsbildung und die Frage nach den eigenen Handlungsmöglichkeiten gut vorbereiten. Es lebt aus dem Reiz des Rollentausches, dass Deutsche in ihrem Einwanderungsziel Atlantika in die Rolle der nicht erwünschten Fremden kommen. Einwanderung und Asyl sowie die Spannung zwischen kapitalistischer Konsumkultur und einem Gesellschaftssystem, das nicht so stark an materiellen Werten orientiert ist, werden aus umgekehrter Perspektive wahrgenommen.

Unterrichtsmaterial

(in der  Beratungsstelle Globales Lernen vorhanden)

  1. Brameier, U.: Ausländer in Deutschland. Praxis Geographie 22/1992, H.4, S. 42-49 >
  2. Da dreht sich dir der Kopf um. Situation minderjähriger Flüchtlinge in der BRD; Hrsg. Hamburger Arbeitskreis Asyl e.V. (Adresse s.u.), 1992
  3. Fremd ist der Fremde nur in der Fremde, medieninformation entwicklungspolitik 20/ 1992
  4. Tornow, L.: Fremd im eigenen Land, Reihe "Aktuelles Zeitgeschehen", Hg. Amt für Schule, Hamburg 1993
  5. Flüchtlinge - Prüfstein weltweiter Solidarität; Hrsg. Misereor, Aachen 1994
  6. Führing, G./ Lensing,N.: Was heißt hier fremd? Unterrichtsmaterial zum Thema Ausländerfeindlichkeit, Berlin 1994
  7. Uihlein, H.: Ausländische Flüchtlinge in der Bundesrepublik Deutschland; Beihefte der Zs. für Caritasarbeit und Caritaswissenschaft, H.1, 1994
  8. Heimatlos! Caritas-Werkheft 1994, 90 S.
  9. Geisz, N.: Projektmappe Flüchtlinge, Mühlheim a.d. Ruhr 1995
  10. Markus, I.R./ Schulze-Vogel, T./ Schulze, H.: Globales Lernen. Projekte, Prozesse, Perspektiven; München 1995
  11. Nuscheler, F.: Internationale Migration. Flucht und Asyl, Opladen 1995
  12. Pollmann, U.: "In meinem Kopf ist immer die Frage: Was kommt später?" Minderjährige unbegleitete Flüchtlinge in der Illegalität (mit Kurzbiographien); Hg. tdh 1995 
  13. Opitz, P.J.: Flucht, Vertreibung, Migration 1945-1995. Zur Problematik von Zuwanderung und Integration. Aus Politik und Zeitgeschichte B 44-45/ 1996
  14. Wer darf hier leben? Alleinstehende jugendliche Flüchtlinge und Migranten in Deutschland; Hg. tdh 1996
  15. Zs. Praxis Geographie 27/1997, H.2 Themenschwerpunkt "Migration"
  16. Aus Politik und Zeitgeschichte B 46/97 mit folg. Beiträgen: M. Griesbeck: Asyl für politisch Verfolgte und die Eindämmung von Asylmissbrauch; Klaus Severin: Illegale Einreise und internationale Schleuserkriminalität; Hans-Burkhard Richter: Probleme der Zuwanderung am Beispiel Berlins; Christine Wischer: Zusammen leben: Die Integration der Migranten als zentrale kommunale Zukunftsaufgabe; Kay Hailbronner: Was kann ein Einwanderungsgesetz bewirken?
  17. 3 x aussetzen. Spiele zum Thema Flucht und Asyl, o.J.; (Bezug: Vereinigte Ev. Mission, Medienstelle, Rudolfstr. 137, 42285 Wuppertal, Tel. 0202/ 89004-125)
  18. Stroux, Marily/ Dohrn, Reimer: Blinde Passagiere: es ist leichter in den Himmel zu kommen als nach Europa, Brandes & Apsel Verlag, Frankfurt a.M. 1998, 128 S., zahlr. Abb.
  19. Meier, Peter: Global! Egal? (Szene 3: Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Asylsuche), Hg. Arbeitsgemeinschaft Swissaid/Brot für alle/Fastenopfer,/Helvetas/Caritas; Berner Lehrmittel- und Medienverlag 1998
  20. Flüchtlingskinder in Deutschland 1998/99 - Reportagen für die UNICEF-Studie "Flüchtlingskinder in Deutschland" (Fallbeispiele aus Berlin, Frankfurt, München und Hamburg).
  21. Jugendliche Flüchtlinge. Leseheft (Kl. 6-10) über grundlegende Fakten und Geschichten über Jugendliche auf der Flucht, Hrsg. UNHCR (Wallstr. 9-13, 10179 Berlin), 1999, 24 S. (Bezug kostenlos, auch als Klassensatz)
  22. Flüchtlingskinder: Opfer von Verfolgung und Krieg. Leseheft (4.-6. Kl.) über grundlegende Fakten und Geschichten über Kinder auf der Flucht, Hrsg. UNHCR (Wallstr. 9-13, 10179 Berlin), 2000, 32.S. (Bezug kostenlos, auch als Klassensatz)
Handbuch über die Aufnahme von Flüchtlingen in der Bundesrepublik Deutschland, Hg. Diakonisches Werk Hamburg (fortlaufende Ergänzungslieferungen zu: Asylverfahrensgesetz und rechtliche Grundlagen, Hintergrundinformationen zu einzelnen Völkern und Regionen, Fragen/Vorurteile/Argumente/Antworten, Beispiele, die Schule machen könn(t)en, Stellungnahmen/Erklärungen/Entschließungen, Dokumentationen/Zahlen/Daten/Fakten, Mat. für die prakt. Arbeit/Literatur/Filme/Karikaturen/Bilder, Pressemeldungen, Kontaktadressen)

siehe
 auch:

  www.unhcr.de
v.a.:
www.unhcr.de/teach/tchhr/gtchhr.htm

Links zum Thema Flüchtlinge

Hamburg und seine MigrantInnen


Medien

  1. Der Baum der Wünsche, 16mm Film von Yasemin Akay aus der Reihe "Karfunkel", BRD 1992, 30 Min. (Inhaltsangabe s. Unterrichtsmaterial Nr.4; Verleih: Landesmedienzentrum )
  2. Der Vogel mit dem gebrochenen Flügel, 16mm Film von Wanjiru Kinyanjui aus der Reihe "Karfunkel", BRD 1992, 30 Min. (Inhalt und Verleih s. medieninformationen entwicklungspolitik)
  3. Menschenrechte, Flüchtlinge und UNHCR, Video (8:30 Min.) und Arbeitsmappe für Lehrer mit einführenden Texten, Vorschlägen zu Unterrichtseinheiten und Material zu den Alterstufen 9-11 Jahre, 12-14 Jahre, 15-18 Jahre, Hrsg. UNHCR 1998 (in der Beratungsstelle Globales Lernen)
  4. Wie es ist, ein Flüchtling zu sein. Video (16 Min.) und Begleitheft für Lehrer mit Kopiervorlagen (Zielgruppe: Kl. 4-6), Hrsg. UNHCR 1999 (in der Beratungsstelle Globales Lernen)

Außerschulische Lernorte und Kontaktadressen:

  1. Wer/Was/Wann/Wo. Adressenverzeichnis für den Ausländerbereich in Hamburg, Behörde für Arbeit, Gesundheit und Soziales (Bezug: Koordinierungsstelle für Ausländerfragen, Hamburger Str. 118, Raum 704 oder Dienststelle Presse und Öffentlichkeitsarbeit, Hamburger Str. 47, Raum 991/993)
  2. Ausländerbeauftragter des Senats der FHH, Osterbekstr. 96, 22082 Hamburg, Tel. 2984-3386/34
  3. Hamburger Arbeitskreis ASYL e.V. , Nernstweg 32, 22762 Hamburg, Tel. 390 88 62 (Vermittlung von Referenten und Kontakten mit Migranten: Bettina Clemens, Diakonisches Werk, Tel. 30 62 03 42 und Kerstin Römhild, Arbeiterwohlfahrt, Tel. 4392234)
  4. Informations- und Beratungsstelle Richardstr.55 (Beschulung minderjähriger Flüchtlinge), 21081 Hamburg, Tel. 2990-4287 (Hans-Georg Krüger)
  5. Förderverein PRO ASYL e.V., Postfach 10 18 43, 60018 Frankfurt/M, Tel.069/ 23 06 88, Fax. 069/ 23 06 50

Beratungsstelle:

Globales Lernen
Robert Schreiber
Institut für Lehrerfortbildung,
Felix-Dahn-Str. 3
20357 Hamburg
Tel. 42801-25120; Fax. 42801-2758
Sprechzeit (Moorkamp 9): Do. 14.00-16.00 Uhr u. nach Vereinbarung

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Erstellt: 8.10.1997

Modifiziert: 22.10.01