Zielgruppe: ab Klasse 7
Wer sind die Fremden? Kriegsflüchtlinge, Asylsuchende, Aussiedler, Ausländer...? Trotz
der verwirrenden Vielfalt an kulturellen Hintergründen und Migrationsursachen gibt es
Gemeinsames: Sie haben ihre Heimat verlassen, fühlen sich meist fremd und werden als
Fremde wahrgenommen. Obwohl unsere Schülerinnen und Schüler (und wir) ihnen fast
überall begegnen - in der Schule, beim Einkaufen, in der S-Bahn - wissen wir oft nur
wenig Genaues darüber, warum sie in Deutschland sind und wie sie sich hier fühlen.
Verschärfungen in der Asylgesetzgebung, eine Medienberichterstattung, die Aufsehen
erregende Einzelfälle herausgreift, wachsende Sorge um die Wahrung unserer Besitzstände,
die Zunahme von Gewalt und organisierter Kriminalität, in die oft auch Ausländer
verwickelt sind, breiten über alles einen Schleier von Illegalität, Unsicherheit,
Bedrohung, führen zu Ängsten und Vorurteilen und gar nicht so selten zu subtilem oder
offenem Rassismus. Wie soll man sich auch mit jemandem solidarisieren, den man gar nicht
kennt? Aus dieser Situation ergeben sich die Grundlinien eines Projektprogramms:
Kennen lernen, Hintergründe erkunden, sich solidarisieren.
Vorschläge zum Ablauf:
- Einstieg mit einem Film der ZDF Serie "Karfunkel". Die Filme berichten vom
Alltag ausländischer Kinder, von ihrer täglichen Reise zwischen Ursprungskultur und den
Spielregeln der Gastkultur: z.B. "Der Baum der Wünsche" oder "Der Vogel
mit dem gebrochenen Flügel" (s. Medien). Alternative: Schüler und Schülerinnen
ziehen ein "Flüchtlings-Los" (s. Beispiel) und lesen es laut vor. Danach könnte gefragt werden: Was
haben Akber, Felizmina, Juana usw. gemeinsam?)
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"Ich heiße Akber, bin 17 Jahre alt. Mit
meinem Bruder bin ich aus dem zerbombten Kabul nach Deutschland geflohen. Mein Vater wurde
von den Mudschahidin verhaftet und tauchte nie wieder auf. Meine Mutter schickte uns dann
fort, bevor sie auch uns festnehmen konnten. Es kann sein, dass ich im nächsten Jahr
abgeschoben werde, wenn ich 18 bin."
(Die Idee, "Flüchtlings-Lose" ziehen zu lassen, wurde erstmals
in großem Umfang auf dem 90. Deutschen Katholikentag 1990 in Berlin durchgeführt)
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- Das Gespräch über die Filme dient u.a. auch der Formulierung von Leitfragen für das
Projekt und der Vorbereitung von Begegnungen mit Ausländern in
Erstversorgungseinrichtungen, Asylunterkünften, Jugendwohnungen, Begegnungszentren,
Auffang-, Übergangs- und Vorbereitungsklassen (Vermittlung durch AK- Asyl, s.
Kontaktadressen). Die Gruppen sollten vorher möglichst klare Vorstellungen entwickeln,
was sie erkunden möchten, wie sie die Gespräche führen wollen, wie diese Kontakte und
ihre Fragen auf die Gesprächspartner wirken. Wenn möglich dokumentieren sie ihre
Begegnung (Gesprächsnotizen, Tonbandaufnahmen, Fotos).
- Auswertung der Begegnungen in den einzelnen Gruppen und Bericht an die gesamte
Projektgruppe.
- Die Berichte werden im wesentlichen zwei Fragenkomplexe aufwerfen:
- Was sind die politischen, sozialen, kulturellen und religiösen Hintergründe der
Migration (in den geschilderten Fällen)?
- Mit welchen Lebensbedingungen, gesetzlichen Bestimmungen und Verfahrensregelungen müssen sich Migranten
bei uns auseinandersetzen?
Daraus ergibt sich eine zweite Erkundungsphase (in kleineren Gruppen):
- Untersuchung der Migrationsursachen für einzelne Konfliktregionen (Literaturhilfen
geben, Bücherhallen)
- Kontaktaufnahme mit verschiedenen Einrichtungen der Ausländerbetreuung im Stadtteil
oder im weiteren Umfeld (Interviews)
- Auch die Einstellung zum bzw. Erfahrung mit Kirchenasyl könnte in einer der
benachbarten Kirchengemeinden erkundet werden.
- Die Erkundungsergebnisse werden der gesamten Gruppe mitgeteilt, diskutiert, dann aber
auch visualisiert und schriftlich festgehalten. Sie dienen damit zugleich als Grundstock
für eine abschließende Ausstellung oder Veröffentlichung in der Schülerzeitung,
lokalen Presse oder Schulhomepage.
- Das Planspiel "Atlantika-Insel der Zuflucht" (Dauer: je nach Intensität 5 -
20 Stunden, s. Markus, I.R./ Schulze-Vogel, T./ Schulze, H.: Globales
Lernen) kann einen abschließenden Erfahrungsaustausch,
die Urteilsbildung und die Frage nach den eigenen Handlungsmöglichkeiten gut vorbereiten.
Es lebt aus dem Reiz des Rollentausches, dass Deutsche in ihrem Einwanderungsziel
Atlantika in die Rolle der nicht erwünschten Fremden kommen. Einwanderung und Asyl sowie
die Spannung zwischen kapitalistischer Konsumkultur und einem Gesellschaftssystem, das
nicht so stark an materiellen Werten orientiert ist, werden aus umgekehrter Perspektive
wahrgenommen.
(in der Beratungsstelle
Globales Lernen vorhanden)
- Brameier, U.: Ausländer in Deutschland. Praxis Geographie 22/1992, H.4, S. 42-49 >
- Da dreht sich dir der Kopf um. Situation minderjähriger Flüchtlinge in der
BRD; Hrsg.
Hamburger Arbeitskreis Asyl e.V. (Adresse s.u.), 1992
- Fremd ist der Fremde nur in der Fremde, medieninformation
entwicklungspolitik 20/ 1992
- Tornow, L.: Fremd im eigenen Land, Reihe "Aktuelles Zeitgeschehen", Hg. Amt
für Schule, Hamburg 1993
- Flüchtlinge - Prüfstein weltweiter Solidarität; Hrsg. Misereor, Aachen 1994
- Führing, G./ Lensing,N.: Was heißt hier fremd? Unterrichtsmaterial zum Thema
Ausländerfeindlichkeit, Berlin 1994
- Uihlein, H.: Ausländische Flüchtlinge in der Bundesrepublik Deutschland; Beihefte der
Zs. für Caritasarbeit und Caritaswissenschaft, H.1, 1994
- Heimatlos! Caritas-Werkheft 1994, 90 S.
- Geisz, N.: Projektmappe Flüchtlinge, Mühlheim a.d. Ruhr 1995
- Markus, I.R./ Schulze-Vogel, T./ Schulze, H.: Globales Lernen. Projekte, Prozesse,
Perspektiven; München 1995
- Nuscheler, F.: Internationale Migration. Flucht und Asyl, Opladen 1995
- Pollmann, U.: "In meinem Kopf ist immer die Frage: Was kommt später?"
Minderjährige unbegleitete Flüchtlinge in der Illegalität (mit Kurzbiographien); Hg.
tdh 1995
- Opitz, P.J.: Flucht, Vertreibung, Migration 1945-1995. Zur Problematik von Zuwanderung
und Integration. Aus Politik und Zeitgeschichte B 44-45/ 1996
- Wer darf hier leben? Alleinstehende jugendliche Flüchtlinge und Migranten in
Deutschland; Hg. tdh 1996
- Zs. Praxis Geographie 27/1997, H.2 Themenschwerpunkt "Migration"
- Aus Politik und Zeitgeschichte B 46/97 mit folg. Beiträgen: M. Griesbeck:
Asyl für
politisch Verfolgte und die Eindämmung von Asylmissbrauch; Klaus Severin:
Illegale
Einreise und internationale Schleuserkriminalität; Hans-Burkhard Richter:
Probleme der
Zuwanderung am Beispiel Berlins; Christine Wischer: Zusammen leben: Die Integration der
Migranten als zentrale kommunale Zukunftsaufgabe; Kay Hailbronner: Was kann ein
Einwanderungsgesetz bewirken?
- 3 x aussetzen. Spiele zum Thema Flucht und Asyl, o.J.; (Bezug: Vereinigte Ev. Mission,
Medienstelle, Rudolfstr. 137, 42285 Wuppertal, Tel. 0202/ 89004-125)
- Stroux, Marily/ Dohrn, Reimer: Blinde Passagiere: es ist leichter in den Himmel zu
kommen als nach Europa, Brandes & Apsel Verlag, Frankfurt a.M. 1998, 128 S., zahlr.
Abb.
- Meier, Peter: Global! Egal? (Szene 3: Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Asylsuche), Hg.
Arbeitsgemeinschaft Swissaid/Brot für alle/Fastenopfer,/Helvetas/Caritas; Berner
Lehrmittel- und Medienverlag 1998
- Flüchtlingskinder in Deutschland 1998/99 - Reportagen für die
UNICEF-Studie "Flüchtlingskinder in Deutschland" (Fallbeispiele
aus Berlin, Frankfurt, München und Hamburg).
- Jugendliche Flüchtlinge. Leseheft (Kl. 6-10) über grundlegende
Fakten und Geschichten über Jugendliche auf der Flucht, Hrsg. UNHCR (Wallstr.
9-13, 10179 Berlin), 1999, 24 S. (Bezug kostenlos, auch als Klassensatz)
- Flüchtlingskinder: Opfer von Verfolgung und Krieg. Leseheft (4.-6.
Kl.) über grundlegende Fakten und Geschichten über Kinder auf der Flucht,
Hrsg. UNHCR (Wallstr. 9-13, 10179 Berlin), 2000, 32.S. (Bezug kostenlos,
auch als Klassensatz)
| Handbuch über die Aufnahme von Flüchtlingen in der Bundesrepublik Deutschland, Hg.
Diakonisches Werk Hamburg (fortlaufende Ergänzungslieferungen zu: Asylverfahrensgesetz
und rechtliche Grundlagen, Hintergrundinformationen zu einzelnen Völkern und Regionen,
Fragen/Vorurteile/Argumente/Antworten, Beispiele, die Schule machen
könn(t)en,
Stellungnahmen/Erklärungen/Entschließungen, Dokumentationen/Zahlen/Daten/Fakten, Mat.
für die prakt. Arbeit/Literatur/Filme/Karikaturen/Bilder, Pressemeldungen,
Kontaktadressen) |
- Der Baum der Wünsche, 16mm Film von Yasemin Akay aus der Reihe "Karfunkel",
BRD 1992, 30 Min. (Inhaltsangabe s. Unterrichtsmaterial Nr.4; Verleih: Landesmedienzentrum
)
- Der Vogel mit dem gebrochenen Flügel, 16mm Film von Wanjiru Kinyanjui aus der Reihe
"Karfunkel", BRD 1992, 30 Min. (Inhalt und Verleih s. medieninformationen
entwicklungspolitik)
- Menschenrechte, Flüchtlinge und UNHCR, Video (8:30 Min.) und
Arbeitsmappe für Lehrer mit einführenden Texten, Vorschlägen zu
Unterrichtseinheiten und Material zu den Alterstufen 9-11 Jahre, 12-14
Jahre, 15-18 Jahre, Hrsg. UNHCR 1998 (in der Beratungsstelle
Globales Lernen)
- Wie es ist, ein Flüchtling zu sein. Video (16 Min.) und
Begleitheft für Lehrer mit Kopiervorlagen (Zielgruppe: Kl. 4-6), Hrsg.
UNHCR 1999 (in der Beratungsstelle Globales Lernen)
- Wer/Was/Wann/Wo. Adressenverzeichnis für den Ausländerbereich in Hamburg, Behörde
für Arbeit, Gesundheit und Soziales (Bezug: Koordinierungsstelle für Ausländerfragen,
Hamburger Str. 118, Raum 704 oder Dienststelle Presse und Öffentlichkeitsarbeit, Hamburger
Str. 47, Raum 991/993)
- Ausländerbeauftragter des Senats der FHH, Osterbekstr. 96, 22082 Hamburg, Tel.
2984-3386/34
- Hamburger Arbeitskreis ASYL e.V. , Nernstweg 32, 22762 Hamburg, Tel. 390 88 62
(Vermittlung von Referenten und Kontakten mit Migranten: Bettina Clemens, Diakonisches
Werk, Tel. 30 62 03 42 und Kerstin Römhild, Arbeiterwohlfahrt, Tel. 4392234)
- Informations- und Beratungsstelle Richardstr.55 (Beschulung minderjähriger
Flüchtlinge), 21081 Hamburg, Tel. 2990-4287 (Hans-Georg Krüger)
- Förderverein PRO ASYL e.V., Postfach 10 18 43, 60018 Frankfurt/M, Tel.069/ 23 06 88,
Fax. 069/ 23 06 50
| Erstellt: 8.10.1997 |
Modifiziert: 22.10.01
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