Weltweit zunehmende ausbeuterische Kinderarbeit und Kindersklaverei sind Ausdruck von
Armut, undurchsichtigen Produktionsgeflechten und ungerechten globalen Handelsstrukturen.
Schätzungen der IAO gehen davon aus, dass allein in der indischen Teppichindustrie rd.
250.000 Kinder arbeiten. Dass wir in Deutschland als Hauptabnehmer
indischer Teppiche Mitverantwortung tragen und Einflussmöglichkeiten auf die
menschenunwürdigen
Produktionsbedingungen in der südasiatischen Teppichindustrie haben, soll im Verlauf der
Projektarbeit deutlich werden. Die indische Teppichmanufaktur ist viele
Jahrzehnte ohne Kinderarbeit ausgekommen, erst die massiv steigende
internationale Nachfrage nach indischen Teppichen (namentlich aus der
Bundesrepublik Deutschland) im Gefolge der deutlichen Verteuerung persischer
Teppiche und der Erschließung neuer, weniger wohlhabender Kundenkreise, haben
in den späten Siebziger- und Achtzigerjahren zu einem stärkeren Einsatz von
Kinderarbeit geführt. Es geht nicht um Schuldzuweisungen an den Teppichhandel
oder die indische Gesellschaft, sondern um die Suche nach Lösungen, an denen sich jeder
beteiligen kann. Dafür sind gute Kenntnisse Voraussetzung. Teppichherstellung,
Lebensbedingungen der Teppichknüpfer, Teppichhandel müssen erkundet werden. Dabei soll
auch die Frage geklärt werden, was sinnvolle Kinderarbeit ist und wo Kinderarbeit Leben
zerstört, unmenschlich und ungesetzlich ist. Der Hamburger Hafen als weltgrößter
Teppichimporthafen bietet für diese Projektarbeit einen idealen Ausgangs- und
Bezugspunkt. Mit den Teppichkonferenzen unter der Schirmherrschaft von Bischöfin Maria
Jepsen ist zudem in Hamburg ein konstruktiver Dialog zwischen Vertretern aus Politik,
Handel, Kirche und der Kampagne gegen Kinderarbeit in der Teppichindustrie entstanden.
Sie dringt zunehmend darauf, dass sich die beiden Siegelorganisationen
zusammengeführt werden. Die Warenzeichen RUGMARK und Care&Fair für Teppiche, die nicht von Kindern hergestellt
wurden, haben wesentlich dazu beigetragen, dass die Kinderarbeit in der
indischen Teppichmanufaktur wieder rückläufig ist. Ob es sich bei dieser v.a.
durch konsequentere Rechtsdurchsetzung herbeigeführte Entwicklung um einen
Erfolg im Sinne der Kinder handelt oder um eine Verlagerung der sozialen
Probleme bedarf weiterer Untersuchungen.
(s. J. Betz ).
- In einer neunzig minütigen Hafenrundfahrt werden die Schülerinnen und Schüler
neben den allgemeinen Funktionen des Hamburger Hafens vor allem mit seiner großen
Bedeutung für den Teppichhandel vertraut gemacht. Sie erfahren dabei auch,
dass viele
Teppiche, die in der Speicherstadt lagern, von Kindern geknüpft wurden, dass es eine
Kampagne gegen die Kinderarbeit gibt und dass die Teppichhändler um ihren Absatz besorgt
sind. (Organisation und Durchführung der Hafenrundfahrt durch W3
Bildungswerk, Tel. 3903365; nach Möglichkeit 2 Klassen; Kosten pro Schüler: DM 8,--)
- Sollte eine Hafenrundfahrt nicht möglich sein, so ist natürlich auch ein
Einstieg mit einem Film (z.B. "Teppichkinder") möglich.
- In der anschließenden Auswertungs- und Planungsphase in der Schule wird vereinbart,
welchen Fragestellungen im Projekt nachgegangen werden soll.
- Die Schüler und Schülerinnen beschaffen sich in Warenhäusern, aus Versandkatalogen
und Teppichläden (s. Gelbe Seiten unter "Teppiche" und
"Orientteppiche") Werbematerial und werten dies aus:
- Was erfahren die Kunden über Art, Qualität und Herkunft der Teppiche?
- Wird etwas über die Herstellung gesagt, und werden Gütesiegel verwendet?
- Welche Quadratmeterpreise lassen sich ermitteln?
- Wie groß sind evtl. Preisnachlässe, und wie lassen sie sich begründen?
- Lassen sich typische Beispiele für die Verwendung von Werbesprache finden?
( Ziel dieses Schrittes ist nicht, alle aufkommenden Fragen sofort zu beantworten,
sondern Fragestellungen und Erkundungsaufgaben für den weiteren Projektverlauf gemeinsam
zu formulieren: Wie werden die Teppiche hergestellt? Was verbirgt sich hinter Rugmark und
Care&Fair? usw.)
- Teppichherstellung und Lebensbedingungen von Kindern, die Teppiche knüpfen, lassen sich
auf verschiedenen Wegen erkunden:
- mit Hilfe von Geschichten (z.B. Auszug aus "Jongan haut ab" von H.-M. Große
Oetringshaus; besonders für Kl. 5 und 6 geeignet; in Unterrichtsmaterial Nr.1
enthalten)
- mit Hilfe von Schilderungen (z.B. R. Siebert: Eingesperrt zwischen Knüpfrahmen; in : U.
Pollmann: Kinderarbeit; s. Unterrichtsmaterial Nr.5)
- mit Hilfe von Biographien betroffener Kinder (z.B. in Unterrichtmaterial Nr.2 ), die von
einzelnen Schülerinnen und Schülern vorgestellt werden können
- mit Hilfe von Dias und Fotos (s. Medien Nr.1 + 2)
- mit Hilfe von Videofilmen, z.B. "Verkaufte Kindheit" und "Kinder am
Knüpfrahmen" (Medien Nr.3; die Unterrichtsmaterialien Nr.1 bieten dazu ein
Arbeitsblatt mit Leitfragen)
- Die Auseinandersetzung mit der Frage, was Kinderarbeit ist, setzt bei den eigenen
Erfahrungen der Schüler und Schülerinnen an:
- Hast Du schon einmal gearbeitet (oder Deine älteren Geschwister)? Wo? Wie lange? Was
musstest Du tun? Was hast Du mit Deinem Verdienst gemacht?
- Was ist für Dich Arbeit? Wie lange arbeitest Du? Wie viel Freizeit hast Du?
Die Ergebnisse dieser Gespräche/Befragungen werden mit den Schilderungen des Alltags
von Kindern in der Teppichindustrie verglichen. Ziel ist eine Auflistung von Punkten, die
Kinderarbeit unmenschlich und ungesetzlich machen. Evtl. entsteht sogar eine Resolution,
die zum Ausdruck bringt, dass sich die Klasse für die Abschaffung dieser Form von
Kinderarbeit einsetzen will.
- Eigene Knüpferfahrungen an einem großen Knüpfrahmen (Verleih: werkstatt ökonomie,
Obere Seegasse 18, 69124 Heidelberg, Tel 06221/ 720296) in schichtweise arbeitenden Gruppen oder Erstellung
eines 10x10 cm großen Knüpfteppichs an einem Knüpfkarton (Anleitung s.
Unterrichtsmaterial Nr. 1 )
- Erkundungen über die Kampagne "Gegen Kinderarbeit in der Teppichindustrie"
und über Teppich-Gütesiegel (in 3 Gruppen):
- Beschaffung und Auswertung von Informationsmaterial des Rugmark-Büros und der
Koordinationstelle der Teppichkampagne "werkstatt ökonomie" (s.
Kontaktadressen)
- Gespräch/ Interview mit einem Teppichhaus, das Rugmark Teppiche verkauft (s.
Kontaktadressen)
- Gespräch/ Interview mit einem Teppichhändler, der sich der Aktion Care &
Fair
angeschlossen hat (s. Kontaktadressen)
- Die Ergebnisse dieser Erkundungen werden (nach ihrer Auswertung von der gesamten
Projektgruppe) zusammen mit anderen Projektergebnissen der (Schul)Öffentlichkeit
präsentiert (dazu zahlreiche Anregungen in Unterrichtsmaterial Nr.1 )
Hintergrund-Informationen
- Betz, Joachim: Kinderarbeit in Entwicklungsländern. Das Beispiel
indischer Teppichsektor. In: Aus Politik und Zeitgeschichte B 17-18/2000,
S.21-29
Unterrichtsmaterial
in der unten angegebenen Beratungsstelle vorhanden
(Andere Bezugsquellen sind jeweils hinter dem Material angegeben.)
- Dawin, Wolfram: Eine Chance für Teppichkinder. Materialien für den Unterricht; 1996.
Hrsg. Kampagne gegen Kinderarbeit in der Teppichindustrie (Bezug: werkstatt ökonomie,
s.u.)
- InfoMappe der Kampagne gegen Kinderarbeit in der
Teppichindustrie; Hrsg. Brot für die
Welt/ Misereor/ terre des hommes, 1994
- Kinderarbeit in der Teppichindustrie. epd Arbeitsblätter 13-15/96
- Kinder haben Rechte: Ausbildung statt Ausbeutung. Befreiung von Teppichkindern in
Indien; Hrsg. Brot für die Welt, Hamburg 1996
- Pollmann, Uwe: Zum Beispiel Kinderarbeit, Lamuv Taschenbuch 104, Göttingen 1995
- Sklavenarbeit, Kinderarbeit in Indien. Textsammlung; Hrsg. Informationszentrum 3. Welt
Hannover, o.J.
- Zur Situation der Kinder in der Welt 1997: Kinderarbeit; Hrsg. unicef, Fischer
Taschenbuch, Frankfurt/M 1996
- Shari. Ein Handpuppenspiel zum Thema Kinderarbeit in der
Teppichindustrie;
Hg. Brot für die Welt, Stuttgart, 2000
Medien
- Foto-set Kinderarbeit in der indischen Teppichindustrie (10 Bilder u. kurze
Texte; Verleih: Pädagogisch-Theologisches
Institut)
- Rücksichtslos billig 36 Dias; (Verleih: terre des
hommes, PF 4126, 49031
Osnabrück, Tel. 0541/ 7101-0)
- Videofilme Kinderarbeit in der Teppichindustrie:
1. Verkaufte Kindheit -
Orientteppiche
aus Sklavenarbeit, 1989/90, 4`30 Min.
2. Kinder am Knüpfrahmen, 1986, 27`15 Min.
(Trotz
ihres Alters lassen die beiden Filme sich noch sehr gut einsetzen: Der erste
Film bietet einen kurz gefassten Einstieg in die Problematik. Der zweite Film geht
ausführlich auf die Zustände im indischen Teppichhandwerk ein, indem er Kinderknüpfer,
die Betreiber der Knüpfwerkstätten, die internationalen Teppichhändler und Vertreter
von sozialen Organisationen zu Wort kommen lässt; Verleih: Nordelbische
Medienzentrale)
- Video Einmal im Leben ins Kino. Doku-Drama von Alice Schmid, Hg. Brot für die Welt/EZEF,
Schweiz 1999, 26 Min., ab 10 Jahren (s. medieninformationen entwicklungspolitik Nr.30
6/99; Verleih: Nordelbische Medienzentrale
und online- Bestellung
Landesmedienzentrale)
- Video Kleine Hände - krummer Rücken. Dokumentarfilm des Deutschen Komitees für UNICEF,
1997, 28 Min. (online- Bestellung
Landesmedienzentrale)
- Video Kinder als Sklaven. Die kleinen Teppichknüpfer von Pakistan,
90 min. ab Kl. 8 ( Der Dokumentarfilm prangert die Machenschaften von Teppich-Fabrikanten in zwei Dörfern Pakistans an: vier- bis vierzehnjährige Jungen und Mädchen werden in faktischer
Leibeigenschaft gehalten. Misshandlungen sind an der Tagesordnung.)
- Videoschulung Teppichkinder; 10 min., Hamburg 2000 (Der v.a. für
die Schulung von Verkaufspersonal gedachte Film gibt eine kurze Einführung
in die Problematik der Kinderarbeit in der indischen Teppichherstellung und
stellt die Siegel Rugmark und Care&Fair vor. Verleih: Beratungsstelle
Globales Lernen)
Außerschulische Lernorte
und Kontaktadressen:
- Anbieter von Rugmark-Teppichen im Hamburger Raum:
- Karstadt (Mönckebergstr., Wandsbeker Königstr. 23, Hamburger Str. 19)
- Hertie (Alsterhaus Jungfernstieg 16-20, Sachsentor 33, Fuhlsbüttler Str.19)
- Teppich-Kibek Elmshorn (Reichenstr. 3-15)
- Möbel Kraft Bad Segeberg (Ziegelstr.1)
- Otto-Versand
- RUGMARK c/o TransFair, Remigiusstr. 21, 50973 Köln, Tel. 0221/ 942040-0; Fax. 0221
942040-40
- Care & Fair - Teppichhandel gegen Kinderarbeit e.V.
Borsteler Chaussee 85-99a Haus 5, 22453 Hamburg, Telefon (040) 511 60 57,
Telefax (040) 511 60 78, info@care-fair.com
(auf den Internetseiten von Care & Fair findet man die Handelshäuser,
die Teppiche mit dem Care & Fair Siegel anbieten)
- werkstatt ökonomie,
Obere Seegasse 18, 69124 Heidelberg, Tel 06221/ 720296
- Kampagne zur Bekämpfung der Kinderarbeit in der Teppichindustrie, c/o Brot für die
Welt, Postfach 101142, 70010 Stuttgart, Tel. 0711/ 2159-0; Fax. 0711 2159-110
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| Erstellt: 8.10.97 |
Modifiziert:
21.07.01
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