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Globales Lernen:
Unterrichtsprojekte (10)
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Unterrichtsprojekte

Wir bleiben auf dem Teppich:

Kinderarbeit in Indien

Zielgruppe: Klasse 5 bis Sek II

Einleitung
Ablauf
Hintergrund

Unterrichtsmaterial
Medien
Lernorte u. Kontakte
Beratungsstelle
siehe auch: Teppichkampagne
und Unterrichtsmaterialien: Kinderarbeit

Einleitung

Weltweit zunehmende ausbeuterische Kinderarbeit und Kindersklaverei sind Ausdruck von Armut, undurchsichtigen Produktionsgeflechten und ungerechten globalen Handelsstrukturen. Schätzungen der IAO gehen davon aus, dass allein in der indischen Teppichindustrie rd. 250.000 Kinder arbeiten. Dass wir in Deutschland als Hauptabnehmer indischer Teppiche Mitverantwortung tragen und Einflussmöglichkeiten auf die menschenunwürdigen Produktionsbedingungen in der südasiatischen Teppichindustrie haben, soll im Verlauf der Projektarbeit deutlich werden. Die indische Teppichmanufaktur ist viele Jahrzehnte ohne Kinderarbeit ausgekommen, erst die massiv steigende internationale Nachfrage nach indischen Teppichen (namentlich aus der Bundesrepublik Deutschland) im Gefolge der deutlichen Verteuerung persischer Teppiche und der Erschließung neuer, weniger wohlhabender Kundenkreise, haben in den späten Siebziger- und Achtzigerjahren zu einem stärkeren Einsatz von Kinderarbeit geführt. Es geht nicht um Schuldzuweisungen an den Teppichhandel oder die indische Gesellschaft, sondern um die Suche nach Lösungen, an denen sich jeder beteiligen kann. Dafür sind gute Kenntnisse Voraussetzung. Teppichherstellung, Lebensbedingungen der Teppichknüpfer, Teppichhandel müssen erkundet werden. Dabei soll auch die Frage geklärt werden, was sinnvolle Kinderarbeit ist und wo Kinderarbeit Leben zerstört, unmenschlich und ungesetzlich ist. Der Hamburger Hafen als weltgrößter Teppichimporthafen bietet für diese Projektarbeit einen idealen Ausgangs- und Bezugspunkt. Mit den Teppichkonferenzen unter der Schirmherrschaft von Bischöfin Maria Jepsen ist zudem in Hamburg ein konstruktiver Dialog zwischen Vertretern aus Politik, Handel, Kirche und der Kampagne gegen Kinderarbeit in der Teppichindustrie entstanden. Sie dringt zunehmend darauf, dass sich die beiden Siegelorganisationen zusammengeführt werden. Die Warenzeichen RUGMARK  und Care&Fair für Teppiche, die nicht von Kindern hergestellt wurden, haben wesentlich dazu beigetragen, dass die Kinderarbeit in der indischen Teppichmanufaktur wieder rückläufig ist. Ob es sich bei dieser v.a. durch konsequentere Rechtsdurchsetzung herbeigeführte Entwicklung um einen Erfolg im Sinne der Kinder handelt oder um eine Verlagerung der sozialen Probleme bedarf weiterer Untersuchungen. 

(s. J. Betz ).


Vorschläge zum Ablauf:

  1. In einer neunzig minütigen Hafenrundfahrt werden die Schülerinnen und Schüler neben den allgemeinen Funktionen des Hamburger Hafens vor allem mit seiner großen Bedeutung für den Teppichhandel vertraut gemacht. Sie erfahren dabei auch, dass viele Teppiche, die in der Speicherstadt lagern, von Kindern geknüpft wurden, dass es eine Kampagne gegen die Kinderarbeit gibt und dass die Teppichhändler um ihren Absatz besorgt sind. (Organisation und Durchführung der Hafenrundfahrt durch W3 Bildungswerk, Tel. 3903365; nach Möglichkeit 2 Klassen; Kosten pro Schüler: DM 8,--) - Sollte eine Hafenrundfahrt nicht möglich sein, so ist natürlich auch ein Einstieg mit einem Film (z.B. "Teppichkinder") möglich.
  2. In der anschließenden Auswertungs- und Planungsphase in der Schule wird vereinbart, welchen Fragestellungen im Projekt nachgegangen werden soll.
  3. Die Schüler und Schülerinnen beschaffen sich in Warenhäusern, aus Versandkatalogen und Teppichläden (s. Gelbe Seiten unter "Teppiche" und "Orientteppiche") Werbematerial und werten dies aus:

    ( Ziel dieses Schrittes ist nicht, alle aufkommenden Fragen sofort zu beantworten, sondern Fragestellungen und Erkundungsaufgaben für den weiteren Projektverlauf gemeinsam zu formulieren: Wie werden die Teppiche hergestellt? Was verbirgt sich hinter Rugmark und Care&Fair? usw.)

  4. Teppichherstellung und Lebensbedingungen von Kindern, die Teppiche knüpfen, lassen sich auf verschiedenen Wegen erkunden:
  5. Die Auseinandersetzung mit der Frage, was Kinderarbeit ist, setzt bei den eigenen Erfahrungen der Schüler und Schülerinnen an:

    Die Ergebnisse dieser Gespräche/Befragungen werden mit den Schilderungen des Alltags von Kindern in der Teppichindustrie verglichen. Ziel ist eine Auflistung von Punkten, die Kinderarbeit unmenschlich und ungesetzlich machen. Evtl. entsteht sogar eine Resolution, die zum Ausdruck bringt, dass sich die Klasse für die Abschaffung dieser Form von Kinderarbeit einsetzen will.

  6. Eigene Knüpferfahrungen an einem großen Knüpfrahmen (Verleih: werkstatt ökonomie, Obere Seegasse 18, 69124 Heidelberg, Tel 06221/ 720296) in schichtweise arbeitenden Gruppen oder Erstellung eines 10x10 cm großen Knüpfteppichs an einem Knüpfkarton (Anleitung s. Unterrichtsmaterial Nr. 1 )
  7. Erkundungen über die Kampagne "Gegen Kinderarbeit in der Teppichindustrie" und über Teppich-Gütesiegel (in 3 Gruppen):
  8. Die Ergebnisse dieser Erkundungen werden (nach ihrer Auswertung von der gesamten Projektgruppe) zusammen mit anderen Projektergebnissen der (Schul)Öffentlichkeit präsentiert (dazu zahlreiche Anregungen in Unterrichtsmaterial Nr.1 )

Hintergrund-Informationen

  1. Betz, Joachim: Kinderarbeit in Entwicklungsländern. Das Beispiel indischer Teppichsektor. In: Aus Politik und Zeitgeschichte B 17-18/2000, S.21-29

Unterrichtsmaterial

in der unten angegebenen Beratungsstelle vorhanden
(Andere Bezugsquellen sind jeweils hinter dem Material angegeben.)

  1. Dawin, Wolfram: Eine Chance für Teppichkinder. Materialien für den Unterricht; 1996. Hrsg. Kampagne gegen Kinderarbeit in der Teppichindustrie (Bezug: werkstatt ökonomie, s.u.)
  2. InfoMappe der Kampagne gegen Kinderarbeit in der Teppichindustrie; Hrsg. Brot für die Welt/ Misereor/ terre des hommes, 1994
  3. Kinderarbeit in der Teppichindustrie. epd Arbeitsblätter 13-15/96
  4. Kinder haben Rechte: Ausbildung statt Ausbeutung. Befreiung von Teppichkindern in Indien; Hrsg. Brot für die Welt, Hamburg 1996
  5. Pollmann, Uwe: Zum Beispiel Kinderarbeit, Lamuv Taschenbuch 104, Göttingen 1995
  6. Sklavenarbeit, Kinderarbeit in Indien. Textsammlung; Hrsg. Informationszentrum 3. Welt Hannover, o.J.
  7. Zur Situation der Kinder in der Welt 1997: Kinderarbeit; Hrsg. unicef, Fischer Taschenbuch, Frankfurt/M 1996
  8. Shari. Ein Handpuppenspiel zum Thema Kinderarbeit in der Teppichindustrie; Hg. Brot für die Welt, Stuttgart, 2000

Medien

  1. Foto-set Kinderarbeit in der indischen Teppichindustrie (10 Bilder u. kurze Texte; Verleih: Pädagogisch-Theologisches Institut)
  2. Rücksichtslos billig 36 Dias; (Verleih: terre des hommes, PF 4126, 49031 Osnabrück, Tel. 0541/ 7101-0)
  3. Videofilme Kinderarbeit in der Teppichindustrie:
     1. Verkaufte Kindheit - Orientteppiche aus Sklavenarbeit, 1989/90, 4`30 Min.
     2. Kinder am Knüpfrahmen, 1986, 27`15 Min.
     (Trotz ihres Alters lassen die beiden Filme sich noch sehr gut einsetzen: Der erste Film bietet einen kurz gefassten Einstieg in die Problematik. Der zweite Film geht ausführlich auf die Zustände im indischen Teppichhandwerk ein, indem er Kinderknüpfer, die Betreiber der Knüpfwerkstätten, die internationalen Teppichhändler und Vertreter von sozialen Organisationen zu Wort kommen lässt; Verleih: Nordelbische Medienzentrale)
  4. Video Einmal im Leben ins Kino. Doku-Drama von Alice Schmid, Hg. Brot für die Welt/EZEF, Schweiz 1999, 26 Min., ab 10 Jahren (s. medieninformationen entwicklungspolitik Nr.30 6/99; Verleih: Nordelbische Medienzentrale und online- Bestellung Landesmedienzentrale)
  5. Video Kleine Hände - krummer Rücken. Dokumentarfilm des Deutschen Komitees für UNICEF, 1997, 28 Min. (online- Bestellung Landesmedienzentrale)
  6. Video Kinder als Sklaven. Die kleinen Teppichknüpfer von Pakistan, 90 min. ab Kl. 8 ( Der Dokumentarfilm prangert die Machenschaften von Teppich-Fabrikanten in zwei Dörfern Pakistans an: vier- bis vierzehnjährige Jungen und Mädchen werden in faktischer
    Leibeigenschaft gehalten. Misshandlungen sind an der Tagesordnung.) 
  7. Videoschulung Teppichkinder; 10 min., Hamburg 2000 (Der v.a. für die Schulung von Verkaufspersonal gedachte Film gibt eine kurze Einführung in die Problematik der Kinderarbeit in der indischen Teppichherstellung und stellt die Siegel Rugmark und Care&Fair vor. Verleih: Beratungsstelle Globales Lernen)

Außerschulische Lernorte und Kontaktadressen:

  1. Anbieter von Rugmark-Teppichen im Hamburger Raum:
  2. RUGMARK c/o TransFair, Remigiusstr. 21, 50973 Köln, Tel. 0221/ 942040-0; Fax. 0221 942040-40
  3. Care & Fair - Teppichhandel gegen Kinderarbeit e.V.
    Borsteler Chaussee 85-99a Haus 5, 22453 Hamburg, Telefon (040) 511 60 57, Telefax (040) 511 60 78, info@care-fair.com (auf den Internetseiten von Care & Fair findet man die Handelshäuser, die Teppiche mit dem Care & Fair Siegel anbieten)
  4. werkstatt ökonomie, Obere Seegasse 18, 69124 Heidelberg, Tel 06221/ 720296
  5. Kampagne zur Bekämpfung der Kinderarbeit in der Teppichindustrie, c/o Brot für die Welt, Postfach 101142, 70010 Stuttgart, Tel. 0711/ 2159-0; Fax. 0711 2159-110

Beratungsstelle:

Globales Lernen
Robert Schreiber
Institut für Lehrerfortbildung,
Felix-Dahn-Str. 3
20357 Hamburg
Tel. 42801-2512; Fax. 42801-2758
Sprechzeit (Moorkamp 9): Do. 14.00-16.00 Uhr u. nach Vereinbarung

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Erstellt: 8.10.97

Modifiziert: 21.07.01