![]() |
Globales Lernen: Unterrichtsprojekt Regenwald |
HOMEPAGE Unterrichtsprojekte Regenwald |
Unterrichtsvorschläge
Die hier gemachten Vorschläge beziehen sich weniger auf das Ökosystem Regenwald als auf dessen wirtschaftliche Nutzung, d.h. auf die Untersuchung der ursächlichen Zusammenhänge seiner fortschreitenden Zerstörung sowie auf die Strategien zu seiner Erhaltung.
Für die Erkundung der ökosystemischen Besonderheiten gibt es für alle Alterstufen leicht zugängliche Unterrichtsmaterialien, u.a. in dem schulischen Angebot der EXPO2000 Tropenwald als Lebensgemeinschaft (das Laden der PDF-Datei kann allerdings recht langwierig sein; günstiger ist es, sich die kostenlose CD-ROM schicken zu lassen). Filme und der Besuch Botanischer Gärten sowie des (im Rahmen der Weltausstellung entstandenen) Regenwaldhauses Hannover Herrenhausen bieten einen anschaulicheren Einstieg.
Grundlegende Informationen zu Ausmaß, Prozess und Folgen der
derzeitigen Zerstörung tropischer Regenwälder und zu den Strategien der
Erhaltung bietet der Tropenwaldbericht
der Bundesregierung vom Juni 1999.
Leitfragen könnten sein:
- Welche geographischen, ökologischen, wirtschaftlichen, kulturellen, sozialen Gegebenheiten bilden Ausgangspunkt und Rahmen des Projekts?
- Welche Entwicklungsstrategien werden für welche Ziele eingesetzt?
- Welche Rolle spielen die sog. stakeholders, die ein Anrecht auf die Nutzung dieses Raumes geltend machen, v.a. aber die Bewohner dieser Region?
- Wie lassen sich die Projektmaßnahmen vor dem Hintergrund des Leitbildes der Zukunftsfähigkeit, d.h. einer umwelterhaltenden und sozial gerechten Entwicklung beurteilen?
2. Global Players - Lokal Actors
Wesentliches Ziel Globalen Lernens ist das Bemühen, komplexe globale Verflechtungen (in diesem Fall hinsichtlich der Zerstörung tropischer Regenwälder) zu verstehen, um daraus Handlungsperspektiven zu gewinnen. Dabei soll vorhandene globale Komplexität nicht in jedem Fall der Forderung didaktischer Reduktion unterliegen. Den Lernenden wird ein hohes Maß an Komplexität zugemutet - allerdings mit der didaktischen Reduzierung auf ein exemplarisches Fallbeispiel. Versucht wird dieser Erkenntniszugang durch den sog. Bielefelder Verflechtungsansatz, der beim Verständnis komplexer globaler Zusammenhänge unterschiedliche Entscheidungsebenen durch mehrfachen Perspektivwechsel untersucht und Verflechtungen zwischen ihnen herausarbeitet.
Werner Hennings tut dies in zwei Unterrichtsvorschlägen zur Regenwaldzerstörung in Ghana und Samoa. Die Blickrichtung der Untersuchungen erfolgt einerseits aus der Makroperspektive (top-down) auf der Grundlage der Modernisierungstheorie und andererseits bottom-up aus der Mikroperspektive der local actors und örtlich Betroffenen und sozialanthropologischer Sicht.
3. Brandrodungsfeldbau und Agroforstwirtschaft
Die exemplarische Untersuchung des Brandrodungs- bzw. Wanderfeldbaus (shifting cultivation) als traditionelle und auch heute unter indigenen Völkern weitverbreitete Form tropischer Landwirtschaft ermöglicht hilfreiche Einblicke in das Ökosystem des Regenwaldes. Bei einer Bevölkerungsdichte bis zu etwa 5 Einwohnern/qkm gilt diese wirtschaftlich effiziente Nutzung bei Einhaltung genügend langer Brachezeiten als durchaus angepasste und nachhaltige Wirtschaftsform. Unterrichtsbeispiele für alle drei südliche Kontinente liegen in leicht zugänglicher Form vor (s. Materialien).
Ziel des Unterrichts könnte es sein, an Beispielen herauszuarbeiten, dass erst das Bevölkerungswachstum der letzten Jahrzehnte und durch Regierungsmaßnahmen ausgelöste Migrationsbewegungen und Siedlungsprojekte den Brandrodungsfeldbau zu einem wesentlichen Zerstörer der Regenwälder gemacht haben. Den Holzkonzessionären, die primäre Regenwälder in großem Stil wirtschaftlich ausgebeutet und zugänglich gemacht haben, wäre dabei als Schrittmachern besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Diese Form des Brandrodungsfeldbaus nicht indigener Völker unterscheidet sich ganz wesentlich von den meist sehr vielfältigen traditionellen Nutzungsformen.
Die große Herausforderung liegt in dem - zum Erhalt der verbliebenen Regenwälder erforderlichen - Übergang vom Brandrodungs- bzw. Wanderfeldbau zu dauerhafter Nutzungsformen. Sie haben sich bisher erst in Regionen mit günstigen ökologischen Voraussetzungen (nährstoffreiche Böden, Bewässerungsmöglichkeiten), wie z.B. Teilen Sumatras durchgesetzt (s. Materialien: Die Ablösung des Wanderfeldbaus).
4. Flächenbrände und ihre Ursachen
Häufungen großflächiger Brände in Regenwald-Regionen mit verheerenden Folgen sind für das Jahr 1982/83 (Ost-Kalimantan), für 1987/88 (Amazonien) und für 1997/98 (Sumatra, Borneo) gut dokumentiert. Die immer schnellere zeitliche Folge von vernichtenden Feuern in tropischen Feuchtwaldgebieten, die damit verbundenen enormen ökonomischen Schäden und die verbesserten Möglichkeiten einer Überwachung dieser Katastrophen mit den Mitteln der Fernerkundung haben dazu geführt, dass über die komplexen Ursachen der jüngsten Ereignisse umfassende Informationen vorliegen. Sie machen deutlich, dass es sich - trotz der Zusammenhänge mit dem El Nino Phänomen - nicht um Naturkatastrophen sondern um fahrlässig und wissentlich hervorgerufene Zerstörungen gigantischen Ausmaßes im Zuge der wirtschaftlichen Ausbeutung der Regenwälder handelt. Es sind die außer Kontrolle geratenen Folgen eines deregulierten Wirtschaftssystems, das in entlegenen, politisch schwer zu überwachenden Regionen kurzfristige Gewinne auf in keiner Weise umwelt- und sozialverträgliche, oft illegale Weise ermöglicht. Ein gutes Beispiel sind die illegalen Rodungstätigkeiten der Gesellschaft PT London Sumatra in Ost-Kalimantan zur Anlage von Ölpalmplantagen. Den Aktionären war die Verwicklung ihrer Gesellschaft in diese Machenschaften lange Zeit gar nicht bekannt. Nachdenklich stimmen muss auch der Umstand, dass jedes Großfeuer, das tote noch aufrecht stehende Wälder hinterlässt, weitere Feuer in der nächsten Trockenphase begünstigt.
Aktuelle Katastrophen und das damit stetes verbundene Interesse, können unterrichtlich sehr gut genutzt werden, um an konkreten Beispielen weitverzweigte Ursachenkomplexe zu entschlüsseln, die an nationalen Grenzen nicht Halt machen. Für den indonesischen Raum lässt sich deutlich machen, dass die Gefahren nicht von dem traditionellen Brandrodungsfeldbau ausgehen, sondern vielmehr von dem wachsenden Flächenbedarf
- für Holzplantagen mit schnellwachsenden Baumarten für die Papierindustrie
- für die Anlage und Erweiterung von exportorientierten Ölpalm-, Gummibaum-, Zuckerrohr- und Kokosnussplantagen
- sowie für Wanderfeldbau-Flächen gescheiterter und spontaner Siedler aus Java.
Die Umwandlung bestehender Regenwaldflächen folgt dabei häufig nicht bestehenden staatlichen Vorgaben und berücksichtigt selten traditionelle Nutzungsrechte indigener Waldbewohner. Akteure, Motive und Ursachen dieser Vorgänge mit Hilfe der vorhandenen Materialien herauszuarbeiten, könnte das Hauptziel entsprechender Unterrichtsvorhaben sein. Die Detaildarstellung der Hintergründe der Feuerkatastophe 1997/98 in der Region Kutai (Ost-Kalimantan) durch den deutschen Ethnologen Christian Gönner, der sich in dieser Zeit dort aufhielt, bietet dafür eine hervorragende Quelle.
Dabei begibt man sich allerdings auf die schwierige Gratwanderung zwischen Resignation und der Gefahr unrealistischer Erwartungen an lokal begrenzte Projektmaßnahmen (z.B. an den Aufbau eines wirkungsvollen Systems der Feuerbekämpfung, wie es in Indonesien mit deutscher Hilfe versucht wird). Die Anlage des Unterrichts muss darauf ausgerichtet sein, notwendige Erkenntnisse zu fördern und gleichzeitig erträglich zu machen, dass grundlegend notwendige Änderungen in Richtung auf eine nachhaltige Nutzung der Regenwaldgebiete nicht durch einzelne Maßnahmen kurzfristig erreichbar sind.
| Erstellt: 02.04.00 | Modifiziert: 22.07.01 |
Beratungsstelle Globales Lernen |