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Globales Lernen: Unterrichtsprojekt Regenwald |
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Material: 5.4
Susanne Schwarz, 1997
El Nino, die Fackel im Wind - oder Geselle der Wirtschaftsheroen?
Am Jempangsee / Ost-Kalimantan gingen bis zu 90 Prozent der Lebensgrundlage der Bevölkerung in Flammen auf
Während die großen Waldbrände Indonesiens die benachbarten Länder zu zahlreichen Protesten veranlaßte, beobachtete die Autorin die Lage im Gebiet des Jempangsees in Ost-Kalimantan.
Die seit sieben Monaten unter der enormen Trockenheit leidende Region erfährt derzeit etwas Erleichterung durch den nun überwiegenden Monsuneinfluß. Die vereinzelten Niederschläge reichen allerdings nicht aus, um die ausgetrockneten Flüsse und Seen, die Wasserversorgung der Dörfer, aufzustocken. Neben dem Mangel an Gemüse, Obst und Fischen, sah sich die Bevölkerung der größten Feuersbrunst ihrer Geschichte ausgesetzt. Die Dörfer im Unterbezirk Jempang verloren 60 bis 90 Prozent ihrer Wälder und der darin befindlichen Gärten. Wegen der ausfallenden Niederschläge wird auch im kommenden Jahr von Februar bis September mit weiteren Bränden gerechnet. Experten befürchten, daß sich die Feuer über die ausgetrockneten Torfflächen in den Sumpfwäldern ausbreiten. Dem Feuer wäre dann kein Einhalt mehr geboten und die ökologischen Schäden maßlos.
Dem Mann, den ich nach dem Weg frage, steigen die Tränen in die Augen. Er geht Ananas pflanzen auf einem Feld, daß er gar nicht anlegen wollte.
Rund um Tanjung Isuy fiel der gesamte Wald den Bränden zum Opfer, die der indonesische Präsident Soeharto auf El Nino zurückführt. Nicht anders erging es den Wäldern der meisten Dörfer um den ausgetrockneten Jempangsee.Wald bedeutet beim Volk der Benuaq Lebensgrundlage. Für den Laien nicht wahrnehmbar, umfaßt er Fruchtgärten, Kautschukpflanzungen und Rattangärten. Über 600 verschiedene Pflanzenarten finden Verwendung. Der Wald ist Nahrungslieferant und beherbergt die unverzichtbaren Utensilien zur Durchführung von Heilriten und anderen Zeremonien. Handelsgüter lagern hier wie auf einem Bankkonto, abrufbar je nach Marktlage und persönlichem Bedarf. Dazwischen liegen die Waldflächen, die in Abständen von 20 bis 50 Jahren im Zuge eines Rotationssystems für die Anlage eines Reis- und Gemüsefeldes gerodet werden. Gemäß dem seit Generationen währenden Traditionsrecht ist der gesamte Wald unter der indigenen Bevölkerung aufgeteilt.
Von indonesischer Regierungsseite wurde die Schuld am Ausbruch der Brände lange Zeit den brandrodenden Reisbauern zugeschoben. Am Jempangsee legte in dieser Saison jedoch kaum ein Benuaq ein Feld an. Die Gefahr eines Übergreifen des Feuers bei der extremen Trockenheit ist ihnen viel zu bewußt. Nicht einmal der sonst übliche Schutzstreifen könnte den Funkenflug verhindern, der bei den täglich aufkommenden, plötzlichen starken Winden wahrscheinlich wäre. Ein Übergreifen des Feuers auf benachbarte Waldgärten hätte finanziell katastrophale Folgen. Das Traditionsrecht der Benuaq sieht in solch einem Fall eine Ausgleichszahlung an die geschädigten Besitzer vor. Eine massive Belastung in einem Volk, in dem fast jeder unterhalb der Armutsgrenze lebt.
Im Laufe von Einzelgesprächen zu den Bränden kommt immer wieder die Vermutung auf, daß die Brände im Zusammenhang mit den Landrechtskonflikten dieser Region stehen. Die Gebiete wurden von Regierungsseite Ölpalmgesellschaften zur Plantagenanlage übergeben. Ungeachtet der Interessen der Waldbesitzer, die nach übergeordnetem indonesischem Recht in den meisten Fällen als solche nicht anerkannt werden, fallen Wald und Gärten einer rigiden Räumaktion zum Opfer und werden gegen Ölpalmen ausgetauscht. Die Gesellschaft versprach eine Entschädigung für die Bäume. Das Land wollen sie nach 30 Jahren zurückgeben. Obwohl die Entschädigungen weit unter dem Realwert der Bäume liegen, übersteigt die Masse der Forderungen offenbar die Möglichkeiten der Gesellschafter. Die meisten Betroffenen, deren Waldgärten in der ersten Phase zerstört wurden, warten noch auf ihr Geld.
Die durch El Nino verursachte extreme Trockenheit kam da möglicherweise nicht ganz ungelegen. Entsprechend dem Entschädigungs-verfahren, muß für einen Baum, der schon vor der Landübernahme abgestorben ist (den Flammen zum Opfer fiel), nicht gezahlt werden.
Es ist nie ein Brandstifter erwischt worden. Der Zusammenhang der Brände mit den Ölpalmgesellschaften konnte somit nie bewiesen werden. Wer jedoch die Region mit offenen Augen durchquerte, konnte feststellen, daß als erste jene Waldstücke brannten, deren Besitzer sich bisher erfolgreich gegen eine Übernahme und Zerstörung durch die Ölpalmgesellschaft wehren konnten. Alle Brandflächen fallen in den Bereich, der sich mit den Expansionsplänen der Gesellschafter decken. Folgt man der asphalt-freien Überlandstraße, der zukünftigen Transkalimantan, hören die Brandflächen am Rand des Plangebietes auf. Erst unterhalb von Kota Bangun fährt man wieder entlang ausgedehnter verkohlter Flächen. Die Brände dort beruhen auf anderen Problemen Ost-Kalimantans.
Auch andere Ursachenmöglichkeiten werden genannt: Weggeworfene Zigarettenkippen und Brandstiftung aus Frustration. Hinterfragt man diese Angaben, stößt man indirekt wieder auf die Ölpalmgesellschaften. Zwar sind die Benuaq wie die meisten Indonesier intensive Raucher, doch mit der Trockenheit stellte sich auch ein verändertes Verhalten ein. Den mehr als tausend Arbeitskräften, aus anderen Teilen Indonesiens von den Gesellschaftern importiert, unterstellt man einen mangelnden Bezug zum Wald und somit sorgloseren Umgang.
Unter den Benuaq selbst soll es ebenfalls unbewiesene Fälle von Brandstiftung gegeben haben. Mancheiner, dessen Feld oder Waldgarten Opfer der Flammen wurde, habe aus Frust Gärten anderer angesteckt.
Die Bodenfruchtbarkeit Kalimantans, die generell sehr gering ist, steht in direktem Zusammenhang mit dem Bestand des Waldes. Nur wo Wald steht, bildet sich eine dünne Humusschicht. Auf einem geöffneten Stück Land ist der fruchtbare Bodenanteil schnell ausgelaugt bzw. weggespült. Einige Benuaq säuberten nach den Bränden ein Stück Feld, um Ananas oder Bananen zu pflanzen. Aber wie sieht es in den nächsten Jahren aus? Können sich die Brandflächen schnell genug regenerieren oder erstickt das als erstes sprießende Alang-Alang jeden neuen Baumtrieb im Ansatz?
Vielerorts wurde der noch brauchbare Rattan geerntet, bei einer Marktpreislage, die keinen Verdienst einbringt. Doch viele Leute vermeiden zunächst den Gang in ihre Waldgärten. Die direkte Konfrontation mit dem Verlust empfinden sie unerträglich. Häufig ist es auch eine nachträgliche Konfrontation mit dem Tod eines nahen Verwandten. Der Vater, der die Fruchtbäume pflanzte oder den Rattan setzte, lebte in jenen Waldgärten weiter. Für die Söhne und Töchter, die längst Großeltern sind und die Anlage der Gärten als Kleinkinder miterlebten, vernichtete das Feuer ein Stück weitergetragene Vergangenheit und die Absicherung der Zukunft.
Von den zahlreichen Hilfsaktionen zur Bekämpfung der Brände auf Sumatra und Kalimantan erfuhren die Menschen des Jempang Bezirks nur aus den Medien.
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| Erstellt:05.04.00 | Modifiziert: 22.07.01 |