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III.3. Flugverkehr

Innerhalb des Wachstumssektors Verkehr weist der Flugverkehr die steilsten Wachstumskurven auf: Es wird geschätzt, dass sich die weltweit geflogenen Passagierkilometer innerhalb der nächsten 10 bis 15 Jahre mindestens verdoppeln werden. Gemäß aller Szenarien des Berichtes der internationalen Klima - Wissenschaftler (IPCC) zum Thema Flugverkehr, der im April 1999 vorgelegt wurde (9), werden die Flugzeugemissionen innerhalb der nächsten 50 Jahre weltweit absolut wie auch im Vergleich zu den Emissionen anderer Sektoren wesentlich zunehmen (nach IPCC-Schätzungen um das drei- bis elffache der momentanen Werte).

Die Treibhausgasemissionen des Flugverkehrs (einschließlich CO2 und Stickoxiden [NOx], Wasserdampf, Kondensstreifen, Sulfat [SO4] und Ruß) tragen gegenwärtig signifikant zum Klimawandel bei: Sie machen je nach Berechnungsmethode mindestens 3,5 % der Klimawirksamkeit aller anthropogenen Emissionen aus. Die Auswirkungen der Flugzeugemissionen auf den Klimawandel werden durch die komplexen Interaktionen dieser Emissionen in Flughöhe noch vervielfacht. Laut dem IPCC - Bericht weisen Flugzeugemissionen im Vergleich zu CO2-Emissionen auf dem Boden die mindestens zwei- bis vierfache Klimawirksamkeit auf. Beispielsweise haben Stickoxide, die bedeutende Auswirkungen auf die Zusammensetzung von Ozon und Methan in der Atmosphäre haben, in Flughöhe eine größere Klimawirksamkeit als vergleichbare Emissionen auf der Erdoberfläche. Über die genaue Klimawirksamkeit des Wasserdampfes und der Kondensstreifen, die in einigen Regionen der Welt inzwischen über 10 Prozent der Jahresbewölkung ausmachen, laufen derzeit noch Studien.

Der Flugverkehr hat bis jetzt eine außergewöhnlich bevorzugte Behandlung im Vergleich zu anderen Wirtschaftsbereichen erfahren, z.B. durch die Steuerbefreiung der Treibstoffe für die gewerbliche Luftfahrt (Kerosin) sowie durch den zollfreien Einkauf an Flughäfen ("Duty Free"). Letzterer stellte eine versteckte Subvention der Flughafeninfrastruktur dar, da die Einnahmen des Duty Free die Start- und Landegebühren senken halfen. Die Abschaffung des Duty Free an den Flughäfen der EU ist aus Umweltsicht daher zu begrüßen.

Um diese Wettbewerbsverzerrungen zugunsten des Flugverkehrs gegenüber anderen Verkehrsträgern (vor allem der Bahn) aufzuheben, aber auch um die Kosten der gravierenden Luftverschmutzung und das Treibhaus - Risiko durch die Flugverkehrsemissionen zu internalisieren, muß die EU die Steuerbefreiung von Kerosin abschaffen. (Als Alternative kann die EU emissionsabhängige Abgaben im Flugverkehr einführen). Dies würde zumindest eine Form der Wettbewerbsverzerrung gegenüber anderen Verkehrsträgern beseitigen, könnte emissionsärmere Technologien fördern und vielleicht auch zu Verhaltensänderungen bei den Konsumenten führen, besonders in den Fällen, wo Flugreisen problemlos - beispielsweise durch Bahnreisen - ersetzt werden können.

In diesem Zusammenhang ist es wichtig, anzumerken, dass der IPCC - Bericht feststellt, dass technologische Verbesserungen von Flugzeugen und Triebwerken allein die Emissionen nicht reduzieren werden, da jegliche Effizienzverbesserungen - die sich aufgrund der langen Entwicklungs- und Lebensdauer von Flugzeugen ohnehin erst nach mehreren Jahrzehnten wirklich durchsetzen - durch den Zuwachs der zurückgelegten Passagierkilometer aufgehoben werden wird. Deshalb muss auch laut IPCC bei der Nachfrage nach Flugreisen angesetzt werden. Dies gilt ganz besonders für Industrieländer, bedenkt man die ungleiche Verteilung von Flugreisen auf dem Globus - nur ein sehr kleiner Teil der Weltbevölkerung, hauptsächlich US - Amerikaner und Europäer, profitiert (als Passagier oder aber wirtschaftlich) vom Flugverkehr.

Neben der Einführung von Kerosinsteuern bzw. Emissionsabgaben gibt es für die EU noch die Möglichkeit, folgende Instrumente in der EU einzuführen bzw. sich im Rahmen der Internationalen Organisation für die zivile Luttfahrt (ICAO) dafür einzusetzen: Verschärfte Grenzwerte für Emissionen von Flugzeugmotoren, Beseitigung aller direkten und indirekten Subventionen, sowie Fördermaßnahmen zur Verlagerung von Flugverkehren (vor allem Kurzstreckenflüge) auf andere Verkehrsträger. Der Vorstoß der EU, die Grenzwerte für Stickoxidemissionen von Flugzeugen durch eine neue Richtlinie zu verschärfen, wird von den Umweltverbänden begrüßt.

Die EU sollte außerdem eine umfassende Strategie für die Flughafenentwicklung in der EU ausarbeiten, die hauptsächlich darauf zielen sollte, das bislang ungebremst exponentielle Wachstum der Flugverkehrsemissionen einzudämmen. Auch die weitere Konzentration des Flugverkehrs durch den überproportionalen Ausbau von Flughäfen im nordwestlichen Zentrum Europas sollte vermieden werden, da dies zu untragbaren lokalen Umweltbelastungen führt, aber auch, um die EU - Kohäsionspolitik, die auf eine Stärkung der Peripherie gegenüber des EU-Kernbereichs abzielt, nicht zu konterkarieren.

Auf internationaler Ebene sollte die EU ihre anerkennenswerten Bemühungen in Bezug auf die Reduzierung der Flugverkehrsemissionen fortsetzen. Insbesondere sollte die EU sich im zuständigen UN - Gremium (lnternational Civil Aviation Organisation - ICAO) weiterhin für die Einführung von Kerosinsteuer / Emissionsabgaben und die Verschärfung von Emissionsstandards einsetzen. Zudem sollte sich die EU um die Zuordnung der Emissionen aus dem internationalen Luft- und Seeverkehr auf die Vertragsstaaten im Rahmen des Kioto - Protokolls bemühen (Lösung der Allokationsfrage bis zur Vertragsstaatenkonferenz Nr.6 im Jahr 2000).

Empfohlene Maßnahmen:

  • Abschaffung der Steuerbefreiung für Kerosin / Einführung emissionsabhängiger Abgaben. 
  • Abschaffung anderer Steuerbefreiungen für die Luftfahrt (z.B. Mehrwertsteuer für Tickets). 
  • Abschaffung aller direkten und indirekten Subventionen (z.B. Anbindung von Flughäfen).
  • Entwicklung einer umwelt- und klimaverträglichen europäischen Flughafenentwicklungsstrategie.
  • Festlegung von angemessenen Grenzwerten und Standards für Energieeffizienz und Emissionen von Flugzeugen.
  • Verfolgung der oben genannten Maßnahmen auch auf ICAO-Ebene.
  • Allokation der Flugverkehrsemissionen im Rahmen der Verhandlungen zum Kyoto-Protokoll.

(9) Bericht des Internationalen Wissenschaftlergremiums den Klimawandel (Intergovernmental Panel on Climate Change - IPCC) zum Thema Flugverkehr und die globale Atmosphäre, April 1999

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Modifiziert: 14.10.03