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Gestohlene Kindheit
Ursachen und Formen der Kinderprostitution

Millionen Kinder auf der Welt werden sexuell ausgebeutet. Die illegalenGeschäfte florieren in vielen Ländern. Verbrecherringe verdienen mit Kinderprostitution, Kinderpornographie und Kinderhandel Milliarden.

Ausgebeutet werden vor allem Mädchen aus armen Familien im Alter zwischen 14 und 18 Jahren. Diese Altersgrenze verschiebt sich immer weiter nach unten, weil viele Kunden aus Angst vor AIDS vermehrt jüngere Prostituierte bevorzugen. Die Zahlen über das Ausmaß der Kinderprostitution beruhen auf Schätzungen. UNICEF gibt die Zahl der Kinderprostituierten weltweit mit zwei bis drei Millionen an. Sie zeigen, dass Kinderprostitution inzwischen eine alltägliche Form der Ausbeutung und Verletzung der Menschenwürde ist.

Kinderprostitution ist ein überaus komplexes Problem. Sie betrifft Kinder, die von ihren Familien verkauft, durch Kinderhändler verschleppt und von Bordellbesitzern regelrecht versklavt werden, bis hin zu Jugendlichen, die sich ,,freiwillig“ prostituieren, um ihr Überleben zu sichern oder ihren Drogenkonsum zu finanzieren. In einigen Untersuchungen meinen Straßenkinder, dass Prostitution für sie weniger gefährlich und beschämend sei, als zu betteln. In anderen Fällen erwirtschaften Kinder durch Prostitution in der Stadt den Unterhalt für ihre Familien auf dem Land. Auf den Philippinen ist ein ganzer Ort, Pagsanjan, wegen seiner Jungen bekannt und wohlhabend geworden. Pädophile, in erster Linie aus Australien, besuchen regelmäßig dort lebende Familien und unterstützen sie finanziell als Gegenleistung für die „Dienste“ der Jungen. Aus Kenia und anderen Ländern wird berichtet, dass Jungen immer öfter für pornographische Filmaufnahmen mit Erwachsenen, anderen Kindern oder Tieren missbraucht werden.

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URSACHEN

Ähnlich vielfältig wie die Erscheinungsformen von Kinderprostitution sind ihre Ursachen. Sie wird durch Armut gefördert. In den vergangenen 30 Jahren ist die Kluft zwischen Arm und Reich auf der Welt erheblich gewachsen. Der Einkommensunterschied zwischen den ärmsten und reichsten Bevölkerungsschichten lag 1960 bei 1:30 – 1990 bei 1:61. Mit anderen Worten: die reichsten Menschen der Welt verfügen über 61 mal mehr Einkommen als die ärmsten. Geringe Einkommensalternativen, unzureichende Bildungsangebote und mangelhafte Gesundheitsversorgung – kurz: fehlende soziale Sicherungssysteme – führen in vielen ländlichen Regionen zur Landflucht. Aus den verarmten Bauernfamilien in wirtschaftlich desolaten ländlichen Regionen rekrutieren Mädchenhändler den ,,Nachschub“. Sie kaufen den Eltern Kinder ab und versprechen, dem Kind eine Arbeit zu verschaffen. Den meisten Eltern ist klar, was das bedeutet: Sie opfern ein Kind, um das Überleben der Familie zu sichern. Laut einer wissenschaftlichen Studie aus Jakarta, kann eine Prostituierte in Asien mit ihrem Einkommen 18 Familienangehörige ernähren. Auch die Lebensbedingungen in den Städten selbst leisten der Kinderprostitution Vorschub. Gerade in den Großstädten überleben viele Straßenkinder durch Prostitution.

Armut ist jedoch nicht die einzige Ursache für Kinderprostitution. Nicht alle armen Kinder werden sexuell ausgebeutet. Armut alleine erklärt auch nicht, warum manche Familien ihre Kinder in die Prostitution verkaufen, andere in den gleichen sozialen Verhältnissen aber nicht. Offenbar besteht auch ein Zusammenhang mit Gewalt und sexuellem Missbrauch innerhalb der Familie. Unter den minderjährigen Prostituierten ist der Anteil von Kindern, die bereits innerhalb der Familie sexuelle Gewalt erfahren mussten, besonders hoch.

Eine weitere Ursache für Kinderprostitution ist die weit verbreitete Geringschätzung von Frauen und Mädchen. Sie werden als ,,Besitztümer“ der Männer oder als minderwertige Kostgängerinnen betrachtet. Derartige Vorstellungen mindern ebenfalls die Skrupel, an Mädchen zu verdienen.

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TOURISMUS

Reiseverkehr und Tourismus haben zu allen Zeiten Prostitution gefördert. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass der in den vergangenen Jahren stark angewachsene Tourismus auch zu einer Zunahme der Prostitution in den Urlaubsländern geführt hat. Alleine 1992 waren weltweit fast 476 Millionen Menschen auf Reisen. Das Entstehen des Sextourismus wurde aber auch begünstigt durch Vergnügungsviertel in ostasiatischen Ländern, die für die Vietnamsoldaten errichtet wurden. Die vorhandene Infrastruktur wurde dann von der Tourismusbranche übernommen, die damit Milliarden erwirtschaftete. Mit dem Massentourismus erhöhte sich auch das Angebot: Ostasien, Brasilien, Kenia, und Osteuropa sind die beliebtesten Reiseziele für Sextouristen.

Unbestritten ist, dass in vielen Entwicklungsländern Sextouristen zwar eine wichtige ,,Kundengruppe" sind, in vielen Ländern sind die meisten Kunden jedoch nicht Touristen, sondern Einheimische. Das ,,entlastet" westliche Sextouristen aber nicht. Denn der Sextourismus aus den Industrieländern hat dem ,,Sexmarkt" in Entwicklungsländern entscheidende ökonomische Impulse gegeben. Die Kaufkraft westlicher Sextouristen hat den Kinderhandel in einigen Tourismuszentren maßgeblich gefördert. Doch zuverlässige Zahlen liegen auch hier nicht vor. Unklar ist beispielsweise, wie viele Touristen ihr Reiseziel wählen, um Bordelle zu besuchen, und wie hoch der Anteil derer ist, die dabei Kinder sexuell missbrauchen.

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MASSNAHMEN

Der Kampf gegen Kinderprostitution beginnt mit der Öffentlichkeitsarbeit: Potentielle und tatsächliche Kunden müssen als „Kinderschänder" bezeichnet werden, Kinderprostitution darf nicht als Kavaliersdelikt oder exotische „Spezialität" verharmlost und toleriert werden. Außerdem müssen Erfolge von Polizei und Justiz bei der Bestrafung von Tätern der Öffentlichkeit kommuniziert werden.

Denn die Strafverfolgung von Tätern geschieht trotz bestehender Gesetze nur selten. Der Tourismus ist für viele Entwicklungsländer eine wichtige Devisenquelle und ein mächtiger Wirtschaftsfaktor; deshalb ist das Interesse an der Strafverfolgung nicht bei allen Verantwortlichen vorhanden. Doch selbst wenn der Kampf gegen Kinderprostitution von Politikern und Behörden auf die Prioritätenliste gesetzt wird, bestechen Bordellbesitzer oder Kinderhändler oft Polizisten und Beamte, um in Ruhe ihren Geschäften nachgehen zu können. Zusätzlich erschweren unterschiedliche und niedrige Schutzalter in vielen Ländern den Kampf gegen Sexualdelikte: Es gibt beispielsweise keine Bestrafung von Kunden einer sechzehnjährigen thailändischen Prostituierten, die angibt „freiwillig" sexuelle Kontakte gepflegt zu haben.

Hilfsprogramme die minderjährige Prostituierte beim Ausstieg unterstützen, gestalten sich oft als sehr schwierig. Soziale Maßnahmen können die vergleichsweisen hohen Einkommen nicht ersetzen. Zusätzlich zu Jobvermittlung, beruflicher Weiterbildung und Wohnungssuche bräuchten viele Prostituierte eine gesundheitliche Betreuung, da sie an AIDS erkrankt sind. Neben Hilfsprogrammen ist aber auch Präventionsarbeit notwendig: Eltern, Jugendliche und Kinder müssen umfassend über das Thema aufgeklärt werden, Maßnahmen zur Armutsbekämpfung sind unverzichtbar.

nach UNICEF: Sexuelle Ausbeutung von Kindern. 
Kinderprostitution, Kinderhandel und Kinderpornographie, 1997
entnommem aus der Werkmappe zur "Aktion Schutzengel" von missio-Österreich

Mit freundlicher Genehmigung von missio-Österreich

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Eingerichtet: 15.06.01

Modifiziert: 14.10.03