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Klimakiller Flugverkehr
Doch immer noch argumentieren Verfechter des Wachstums des Flugverkehrs, dass der Flugverkehr global ja nur für etwa 4 Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich sei. Es gilt jedoch folgendes zu bedenken: Erstens ist diese Zahl noch nicht mit der mehrfachen Klimawirksamkeit der Treibhausemissionen in Flughöhe gewichtet (s.oben). Zweitens sind für diese Emissionen nur etwa 5 Prozent der Weltbevölkerung verantwortlich. Zum Vergleich: Die Treibhausgasemissionen des Flugverkehrs entsprechen etwa dem gesamten Treibhausgas - Ausstoß Indiens (20 Prozent der Weltbevölkerung). Noch ein letzter Hinweis zur Verteilungsgerechtigkeit: Die USA sind für etwa 40 Prozent des Flugverkehrs verantwortlich, Europa etwa 30 Prozent, Afrika 2 Prozent.... Flugverkehr und die Klima-Rahmenkonvention Hält man sich diese
Tatsacheri vor Augen, ist es kaum verständlich, dass der Flugverkehr
im Rahmen der Klimakonvention bislang wenig Berücksichtigung fand.
Immerhin folgender Passus im Artikel 2 des Kioto-Protokoll
durchgesetzt werden: Die Unterzeichnerstaaten sollen darauf abzielen,
die Emissionen von sogenannten "bunker fuels" (also Flugzeug-
und Schiffskerosine) zu reduzieren, indem sie sich in den für den
Flugzeug- und Schiffsverkehr zuständigen Organisationen der UN - der
International Civil Aviation Organisation (ICAO) sowie der International
Maritime Orgonisation (IMO) - für entsprechende Maßnahmen einsetzen.
Weiterhin ungeklärt ist die Frage, nach welchem Prinzip und Verfahren die Verantwortlichkeit für die Flugverkehrsemissionen den Unterzeichnerstaaten zugeteilt werden sollen: Nach der Nationalität des Passagiers? Oder der Fluggesellschaft? Oder dem überflogenen Land (und wer kommt dann für Emissionen über dem Atlantik auf)? Oder dem Start- oder Zielflughafen (und bis zum 1. Zwischenstopp oder für die Gesamtreise)? Oder soll der Flugverkehrssektor separat behandelt werden und ein eigenes Reduktionsziel erhalten? Ein Hintergrundpapier zum Allokationsproblem liegt bei Germanwatch vor. Die ICAO und der Klimaschutz Anfang Oktober fand in
Montreal die dreijährlich tagende Generalversammlung der ICAO - einer
schwerfälligen und intransparenten Organisation - statt. Wenig
überraschend ließen die Ergebnisse aus Umweltsicht zu wünschen
übrig. Während die EU-Staaten - allen voran Deutschland, eher
widerstrebend die Tourismusländer Griechenland und Spanien - den
Umweltschutz im Flugerkehr in drei Kernbereichen (Lärm, Stickoxide,
Klimaschutz durch Steuern und Abgaben) vorantreiben wollten,
blockierten vor allem die USA, jedoch auch viele Entwicklungsländer
befriedigende Fortschritte in diesem Bereich. Zur Einführung von Steuern und Abgaben wurde ein Programm für die Erarbeitung eines ICAO - Rahmens für umweltbezogene Steuern und Abgaben im Flugverkehr beschlossen. Hier konnte die EU überraschenderweise eine Zeitvorgabe durchsetzen: Bis zur Generalversammlung 2001 soll ein entscheidungsreifer Vorschlag vorliegen, d.h. die dazu eingerichtete Arbeitsgruppe wird sich bis zum Jahr 2000 auf eine Vorlage geeinigt haben müssen, die im Frühjahr 2001 durch das CAEP beschlossen werden müßte. Dabei steht nicht zu erwarten, daß es Fortschritte bezüglich der Aufhebung der Steuerbefreiung von Kerosin geben wird, da innerhalb der ICAO emissionsabhängigen Abgaben bevorzugt werden. Die EU hat dabei deutlich gemacht, dass sie einseitige Maßnahmen einführen wird, sollte die ICAO 2001 im Bereich Steuern und Abgaben keine Beschlüsse fassen. Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft: Frischer wind für Flugverkehrspolitik der EU? Am 1. Januar 1999 übernimmt
Deutschland die EU-Ratspräsidentschaft. Während dieser Zeit wird die
Europäische Kommission eine Studie zu den Auswirkungen von Steuem und
Abgaben im Flugverkehr sowie eine Mitteilung zum Thema Flugverkehr
& Umwelt vorlegen. Die Umweltverbände erwarten von der neuen Bundesregierung, dass sie noch über die Positionen der bisherigen Bundesregierung hinaus die Eindämmung der Umweltauswirkungen des Flugverkehrs auf die nationale, EU- und internationale Tagesordnung setzt. In diesem Sinne sollte sie nach Auffassung der Umweltverbände - unbeschadet der Ergebnisse der ICAO - Generalversammlung einseitige Maßnahmen auf nationaler sowie auf EU - Ebene weiter vorantreiben. Vor allem auch sollten auf nationaler Ebene die Ausbaupläne für Flughäfen, wie sie in einer Bund - Länder - Vereinbarung vom April 1998 skizziert werden, vor dem Hintergrund der globalen Umweltauswirkungen des Flugverkehrs revidiert werden. Die europäische Kampagne "The Right Price for Air Travel" und der DNR AK Flugverkehr Um Öffentlichkeit und politische Entscheidungsträger über die klimaschädliche Wirkung des Flugverkehrs aufzuklären und um den Zusammenhang zwischen der klimapolitischen Debatte einerseits und den europaweiten lokalen Debatten um Flughafenausbaupläne, Lärmschutz und Nachtflugverbote zu vermitteln, läuft seit zwei Jahren eine europaweite Kampagne "The Right Price for Air Travel" (inzwischen wurden auch zunehmend Kontakte in die USA, Kanada, Australien und Japan aufgebaut). In dieser Kampagne werden vor allem die wirtschaftlich und ökologisch ungerechtfertigten Steuervorteile des Flugverkehrs kritisiert: Die Befreiung des Kerosin von der Mineralölsteuer die Mehrwertsteuerbefreiung von Flugtickets, das Fehlen einer emissionsbezogenen Abgabe zur Anlastung der externen Kosten; darüberhinaus die hohen Subventionen des Flugverkehrs. Anlässlich der Klimakonferenzen in Kioto und Buenos Aires fanden internationale Aktionstage statt. Auf europäischer Ebene kooperieren die Koordinatoren der Kampagne (Milieudefensie / Friends of the Earth) mit dem europäischen Dachverband Transport & Environment, der u.a. eine Studie zur Einführung von Steuern und Abgaben für den Flugverkehr auf EU-Ebene in Auftrag gegeben hat. Deutscher Partner von Milieudefensie und T&E ist der DNR Arbeitskreis Flugverkehr, der vor allem BUND, Bundesvereinigung gegen Flüglärm, Germanwatch, Naturfreunde Jugend, Robin Wood sowie dem Verkehrsclub Deutschland (VCD) getragen wird. (Ausführliche Berichte zur ICAO-Generalversammlung finden sich in den DNR EU-Rundschreiben RS 9/98 und 10/98) Anja Köhne, EU - Koordination
& Intenationales, die Autorin koordiniert die AG Flugverkehr des
DNR. |
| Eingerichtet: 15.06.01 |
Modifiziert: 14.10.03 |