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Globales Lernen:
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Was ist Globales Lernen?

Abschlusserklärung
der Teilnehmerinnen und Teilnehmer
des Kongresses

"Bildung 21 –
Lernen für eine gerechte und zukunftsfähige Entwicklung"

28.-30. September 2000 in Bonn

 

700 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Deutschland, anderen europäischen Ländern, aus Afrika, Asien, Zentral- und Südamerika haben am 30. September 2000 nach dreitägiger Konferenzarbeit auf Einladung des Verbandes Entwicklungspolitik deutscher Nicht-Regierungsorganisationen (VENRO), in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), den Kultusministerien der Länder und den für Entwicklungszusammenarbeit zuständigen Ressorts der Landesregierungen folgende Erklärung verabschiedet:

Zehn Jahre nach dem Kölner Kongress "Der Nord-Süd-Konflikt. Bildungsauftrag für die Zukunft" begrüßen wir, dass eine der wesentlichen Forderungen der "Kölner Abschlusserklärung" eingelöst wurde: Die Zusammenarbeit und Schaffung gemeinsamer Arbeitsstrukturen zwischen Staat und Zivilgesellschaft haben sich deutlich verbessert. Der gemeinsame Trägerkreis dieses Kongresses ist Ausdruck dieser neuen Qualität der Kooperation, die gefestigt und ausgebaut werden muss.

Nur durch Bildung und Partizipation kann der Globalisierung von "oben" eine Globalisierung von "unten" entgegengesetzt werden. Globales Lernen für nachhaltige Entwicklung muss die demokratischen Kräfte zur Steuerung dieser Prozesse befähigen. In diesem Sinne begrüßen wir den einstimmigen Beschluss des Deutschen Bundestags vom 29. Juni 2000 zur "Bildung für nachhaltige Entwicklung". Umwelt und Entwicklung stellen danach die zentralen Herausforderungen für Gegenwart und Zukunft dar.

Die Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Entwicklung haben sich durch den stürmischen Globalisierungsdruck, der einem ökonomischen Fundamentalismus gleicht, deutlich verschlechtert. Die AGENDA 21, der Beschluss der Staats- und Regierungschefs zu einer globalen Partnerschaft für eine nachhaltige Entwicklung, ist in Gefahr, dem globalen ökonomischen Wettbewerb geopfert zu werden. Die Bundesregierung und die Europäische Union haben sich in ihrer Regierungserklärung bzw. im Amsterdamer Grundlagenvertrag zum Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung verpflichtet, die ohne Kohärenz zwischen den verschiedenen Politikfeldern unerreichbar bleibt. Das praktische politische Handeln bleibt bisher hinter diesen politischen Einsichten weit zurück und gefährdet die demokratische Glaubwürdigkeit. Dadurch werden Politikverdrossenheit, Unsicherheit, Perspektivlosigkeit und Ohnmachtsgefühle verstärkt, die den Nährboden für Intoleranz, Rassismus und Gewalt erzeugen. Dieser Entwicklung nicht Einhalt zu gebieten, gefährdet die Demokratie.

Wir verurteilen jegliche Form von Gewalt und Rassismus, die oft schon mit der Sprache beginnt, die Menschenwürde auf das Schwerste verletzt und damit die Entwicklung zu einer weltoffenen und toleranten Gesellschaft verhindert.

Wir begrüßen...

Globalisierung als pädagogische Herausforderung

Die sechs Weltgipfel der Vereinten Nationen in den 90er Jahren haben deutlich gemacht, dass die Entwicklungsperspektiven in allen Regionen der Welt von globalen Problemen beeinträchtigt sind, die nur durch gemeinsame Anstrengungen der Staatengemeinschaft bewältigt werden können. Die Sicherung unserer natürlichen Lebensgrundlagen und die nachhaltige Bekämpfung der weltweiten Armut und ihrer Ursachen sind dabei die wichtigsten Aufgaben, die sich der Weltgesellschaft am Beginn des 21. Jahrhunderts stellen.

Die reichen Länder haben sich in der AGENDA 21 darauf verpflichtet, ihre Politik und ihre Wirtschaftsweise mit den Anforderungen an eine nachhaltige Entwicklung in Einklang zu bringen, damit unsere Welt eine Zukunft hat. Auch die deutsche Gesellschaft steht vor der Aufgabe, den Weg einer zukunftsfähigen Entwicklung zu beschreiten. Die vorherrschenden Muster des Wirtschaftens und Konsumierens müssen in Frage gestellt und neue Lebens- und Produktionsstile entwickelt werden, die den Anforderungen an soziale Gerechtigkeit und Umweltverträglichkeit entsprechen. Die anstehenden Weichenstellungen können nur wirksam werden, wenn sie von der Einsicht und der engagierten Mitwirkung einer informierten Öffentlichkeit getragen werden. Daher haben die beim Erdgipfel in Rio 1992 versammelten Nationen auch betont, dass "Bildung eine unerlässliche Voraussetzung für die Förderung einer nachhaltigen Entwicklung" ist. Die AGENDA 21 verpflichtet dazu, Bildung für eine nachhaltige Entwicklung als Querschnittaufgabe des gesamten Bildungswesens zu verankern.

Allen pädagogischen Arbeitsfeldern ist damit die Aufgabe gestellt, Menschen dabei zu unterstützen und darin zu ermutigen, sich in die zukunftsfähige Gestaltung der entstehenden Weltgesellschaft engagiert, sachkundig und im Geist weltweiter Solidarität einzubringen. Die bisher in der Bildungspolitik, in der schulischen Praxis und in der außerschulischen Bildung unternommenen Bemühungen, Globales Lernen für eine zukunftsfähige und gerechte Entwicklung auf den Weg zu bringen, sind ermutigend, können jedoch angesichts der vor uns liegenden Aufgaben noch längst nicht genügen. Ansätze zu einer Internationalisierung der Bildung, die nur auf die Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit unseres Bildungswesens und des Wirtschaftsstandorts Deutschland verkürzt sind, werden den anstehenden globalen Herausforderungen nicht gerecht.

Die Nicht-Regierungsorganisationen und zivilgesellschaftlichen Initiativen haben sich in besonderer Weise als Schrittmacher für Globales Lernen erwiesen. Die erprobten und bewährten Modelle eines globalen, interkulturellen und entwicklungsbezogenen Lernens gilt es auszubauen und in der Regelpraxis schulischer und außerschulischer Bildung zu verankern.

Globales Lernen für eine nachhaltige Entwicklung
muss vor allem folgenden Prinzipien gerecht werden:

Wir erwarten...

1. die Verbesserung der Bedingungen für das Globale Lernen

2. folgende bildungspolitische Maßnahmen

3. eine Überprüfung der eigenen Arbeit

Bonn, 30. September 2000

 

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Erstellt: 28.12.00

Modifiziert: 20.07.01

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