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Globales Lernen: Konzepte |
HOMEPAGE Was ist Globales Lernen? |
Aus pädagogischer Sicht stellen sich zwei grundsätzliche Fragen an das Internet als Zukunftsmedium:
Die Auseinandersetzung mit multimedialen Informationstechnologien vor allem mit dem Internet ist für die entwicklungsbezogene Bildung in mehrfacher Hinsicht von Bedeutung:
Aus vielen Gründen (nicht zuletzt der hohen medientechnologischen Anforderungen) steht die pädagogische Nutzung des Internets noch am Anfang. Das gilt in besonderem Maße für die (häufig) technologieferne entwicklungsbezogene Bildung, obwohl die neuen multimedialen Informationstechnologien gerade für ihre Inhalte, Ziele und Methoden wie geschaffen erscheinen. Bei aller Bedeutung des lebensweltlichen Ansatzes für die pädagogische Erschließung globaler Zusammenhänge und multikultureller Strukturen steht doch außer Frage, dass sich die Komplexität der Weltgesellschaft nur medial erschließen lässt und eine immer größere Medienkompetenz erfordert. Diese darf sich nicht in praktischen Fertigkeiten erschöpfen, sondern muss die eingangs gestellten Fragen stets im Blick behalten.
Pädagogische Nutzung des Internets in der Praxis des entwicklungsbezogenen Lernens bedeutet (vorerst) vor allem Erschließung und sinnvolle Nutzung der nahezu unendlichen Informationsangebote. Neu ist dabei die gegenüber herkömmlichen Lernsituationen deutlich größere aktive Beteiligung von SchülerInnen bzw. SeminarteilnehmerInnen, die sich als Lernende bei der Recherche nur wenig von ihren LehrerInnen bzw. SeminarleiterInnen unterscheiden.
Noch sind Startseiten zum Globalen Lernen, die neben eigenen Angeboten umfassende Orientierungshilfe bieten und vielfältige Kontakte vermitteln (Links), selten:
Neben der Ausrichtung auf das Themenfeld Globales Lernen fällt dabei der regionale Bezug auf. Es sind - in Ergänzung zur persönlichen Beratung - virtuelle Beratungsstellen, die auf weitgehend bekannte Zielgruppen ausgerichtet sind und sich auch die Aufgabe gestellt haben, in ihrem Bereich Bildungseinrichtungen mit Institutionen und NRO zu vernetzen.
Wo solche Startseiten an ihre Grenzen stoßen, kann man sich durch ein beeindruckendes Instrumentarium an Suchwerkzeugen Zugang zu den (noch) häufig kostenlosen Datenbanken, Archiven und aktuellen Online-Angeboten von wissenschaftlichen Instituten, Organisationen, Verbänden, Zeitungen, Museen, Bibliotheken, Nachschlagewerken, Verlagen, Radio- und Fernsehsendern und einer unübersehbaren Zahl von staatlichen und kommerziellen Einrichtungen durcharbeiten. Bei den Dokumenten, die man sich schließlich herunterladen oder ausdrucken kann, handelt es sich keineswegs nur um Texte; zunehmend wird die ganze Breite der audiovisuellen Möglichkeiten, von Bildern, Videos und Sounds und ihren vielfältigen Kombinationen angeboten, die sich dann im Unterricht oder Seminar für bestimmte Projekte weiterverarbeiten lassen.
Zeit- und kostensparender ist es, sich an vertrauter Stelle Orientierungshilfe zu holen, bevor man sich in die Informationswildnis begibt. Neben den genannten Bildungsservern ist das für den Bereich Entwicklungspolitik vor allem der Website "Entwicklungspolitik Online" http://www.epo.de . Der Supersite für Eine-Welt-Themen schlechthin ist "One World Online" http://www.oneworld.org . Er ist eine Schöpfung des One World Broadcasting Trust als Reaktion auf die zunehmende Kommerzialisierung von Rundfunk und Fernsehen, die diese wichtigen Themen nicht mehr angemessen vermitteln.
Aber auch die weniger gelenkte Informationssuche kann ein wichtiger Lernprozess sein; man muß sich immer wieder seines Zieles vergewissern und kommt, wie alle Suchenden, mit gänzlich Neuem und Ungeahntem in Kontakt.
Natürlich erschöpfen sich die pädagogischen Möglichkeiten des Internets nicht in der Informationsbeschaffung aus dem World Wide Web. Auch die Selbstdarstellung und Präsentation von Projekten spielt eine wichtige Rolle, bietet umfassende Lernmöglichkeiten und kommt dem Bedürfnis (nicht nur Heranwachsender) nach Selbstinszenierung und sinngebender Öffentlichkeitsdarstellung entgegen. Der Deutsche Bildungsserver http://dbs.schule.de verzeichnet über 800 Schülerzeitungen im Web; die Zahl der Schul-Homepages dürfte noch höher sein.
Noch ist das Internet in der Bildung bisher ganz überwiegend willkommene Informationsquelle für traditionelle und sich nur allmählich wandelnde Unterrichtsformen. Seine zukünftigen Möglichkeiten für die entwicklungsbezogene Bildung werden aber vor allem in den noch unübersehbaren Kommunikations- und Kooperationsmöglichkeiten gesehen. Die noch relativ geringe Zahl von Newsgroups (nach Themen geordneter Erfahrungsaustausch), Chaträumen und Mailing Lists (Diskussionsforen, deren Beiträge per E-Mail zugesandt werden) zu entwicklungsbezogenen Themen spiegelt das begrenzte gesellschaftliche Interesse an diesen Themen. Für Chatkonferenzen liegen auch im Bereich des Globalen Lernens erste Erfahrungen vor (z.B. durch den aus Anlas des Global March gegen Kinderarbeit in diesem Jahr von der Kindernothilfe organisierten Global Chat). Sie zeigen, dass erhebliche technische Vorkehrungen erforderlich sind, die vor allem bei ärmeren Lernbedingungen nicht getroffen werden können, und dass eine relativ lange Vorbereitungszeit aller Teilnehmer und eine didaktische Konzeption (z.B. Einbettung in Projekte oder Wettbewerbe) notwendig sind.
Die größten Möglichkeiten scheinen mir in E-Mail Projekten zu liegen, wie es sie bereits in recht ansehnlicher Zahl auf europäischer Ebene und zwischen transatlantischen Partnerstädten gibt ( z.B. das "Transatlantische Klassenzimmer" mit gemeinsamen Projekten von Schulen in Chicago und Hamburg siehe http://www.tak.schule.de und die anregende Projektsammlung des "European Schools Project" http://www.esp.schule.de ). Dabei steht zunächst (wie bei dem "Kidlink Netzwerk" http://www.kidlink.org für Kinder bis zu 15 Jahren) der globale Dialog über das, was (nicht nur junge) Menschen interessiert und bewegt, im Vordergrund. Sie lassen sich erfolgreich in den Sprachunterricht integrieren und führen nicht selten zu dauerhaften Kontakten und gemeinsamen Projekten.
Konzepte, wie es sie für multipartnerschaftliche Projekte im Bereich der Umweltbildung gibt (siehe z.B. das Globe Projekt http://www.globe-germany.de und das Internationale Arktis Projekt http://www.hh.schule.de/arktis-online ), werden auch für den entwicklungsbezogenen und interkulturellen Bereich benötigt. Die Vorbilder zeigen, dass dafür kompetente Trägerorganisationen, Sponsoren und engagierte Persönlichkeiten benötigt werden. Sie zeigen auch, dass solche längerfristig angelegten E-Mail Projekte Lernen in Bewegung bringen (bis hin zur Ausbildung besonderer Schulprofile) und dass sie die Anliegen der beteiligten Organisationen wirkungsvoll in die Öffentlichkeit tragen.
Schul- und Projektpartnerschaften werden durch E-Mail Kontake neue Dimensionen eröffnet. Sind einmal (in gemeinsamer Anstrengung) die technischen Probleme gelöst, kann es zu dem Austausch kommen, den sich viele mit solchen Initiativen erhofft hatten, der aber häufig durch lange Postwege und den schnellen Rhythmus welchselnder Klassen und Unterrichtsvorhaben gestört wurde. Über den Austausch alltäglicher Informationen hinaus sind durch E-Mail gemeinsame Projekte zu vielen Themen möglich, die durch die unterschiedlichen Sichtweisen und methodischen Ansätze zu einem sehr lebendigen Prozess des globalen Lernens führen können.
Noch sind die Hilfen für solche vertieften Partnerschaften zwischen Schulen bei uns und Schulen oder Entwicklungsprojekten in Afrika, Asien und Lateinamerika sehr begrenzt. Das St.Olaf College, Minnesota, vermittelt und berät in seinem IECC Projekt (Intercultural E-Mail Classroom Connections) E-Mail Partnerschaften zwischen Schulen in aller Welt: http://www.stolaf.edu/network/iecc . Am besten scheint es mir jedoch, die Betreuung solcher Projekte in bestehende Beratungsstellen zu integrieren, da neben der technischen, methodischen und inhaltlichen Unterstützung im Rahmen der Lehrerfortbildung auch Hilfe bei der Suche nach interessierten Partnern gefragt ist. Der Hamburger Bildungsserver "Globales Lernen Entwicklung für die Eine Welt" wird dies mit dem Aufbau eines "Eine-Welt-Schulnetzes" (EWS) anstreben.
Jörg-Robert Schreiber; DED-Brief 3/1998
| Erstellt: 6.9.98 | Modifiziert: 21.07.01 |
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