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Globales Lernen: Konzepte |
HOMEPAGE
Was ist Globales Lernen? |
Vortrag Speyer, 17. September 2001
Jahrestagung der UNESCO-Projektschulen
Klaus Seitz
Die Globalisierung als Herausforderung für Schule, Pädagogik und
Bildungspolitik
Sehr geehrte Damen und Herren,
die Vorbereitungen für meinen heutigen Vortrag hatte ich ursprünglich am Montag
abgeschlossen, dem Tag vor den schrecklichen Terroranschlägen in den USA, unter deren
Eindruck wir noch alle stehen. Bei der Konzeption meines Referates war ich noch fest davon
ausgegangen, dass sich der Prozess des Zusammenwachsens der Welt, der als Globalisierung
beschrieben wird, in die Zukunft hinein verlängert - wenn auch nicht gradlinig, so doch
unaufhaltsam. Seit den Ereignissen der letzten Woche sind mir immer wieder Zweifel
gekommen, ob wir tatsächlich noch in einer Epoche der Globalisierung leben, die nach
Ansicht vieler Zeitgenossen spätestens mit dem Jahr 1989 angebrochen war. Vielleicht ist
diese kurze Ära schon wieder Makulatur, und wir bewegen uns vielmehr auf ein neues
Zeitalter der Zersplitterung und der Polarisierung der Welt zu?
Aber darüber, was nun kommt, lässt sich im Moment nur sehr vage spekulieren – und ich
denke, den meisten Kommentatoren fehlt noch die nötige Distanz zu den Ereignissen, wenn
mit jenem 11. September 2001 nun erneut der Beginn einer neuen Zeitrechnung beschworen
wird. Nach langem Hin und Her habe ich mich dazu entschlossen, mich hier und heute nicht
an diesen Spekulationen zu beteiligen, und vielmehr – wenn auch mit einem gehörigen Schuss
Verunsicherung - mein ursprüngliches Konzept beizubehalten. Ich setze dabei voraus, dass
der weitere Gang der Weltgeschichte die Trends, die in den letzten Jahrzehnten angelegt
waren, nicht gänzlich auf den Kopf stellen wird – auch wenn ich nicht ausschließen will, dass
das, was in den nächsten Wochen und Monaten über uns hereinbrechen mag, unser heutiges
Verständnis von Globalisierung und Globalem Lernen grundlegend erschüttern kann. Bitte
nehmen Sie meinen Vortrag unter diesem Vorbehalt auf.
I.
Trotz des Ernstes der Stunde möchte ich meinen Vortrag unter ein freundliches Motto stellen,
ein Motto, das in wunderbarer Weise den Kerngedanken auf den Punkt bringt, den Globales
Lernen beherzigen sollte. Es handelt sich um eine alte chinesische Weisheit: „Worte, die nahe
liegen, aber in die Ferne weisen, sind gute Worte."
Es wird uns nicht schwer fallen, diese Weisheit, die ursprünglich auf Redner gemünzt war, auf
Bildung und Unterricht zu übertragen; das könnte sich dann - leider jeder Poesie entkleidet -
z.B. so anhören: „Ein guter Unterricht ist ein Unterricht, der an den Erfahrungen und den
Interessen der Schüler anknüpft, aber dazu ermutigt, den eigenen Horizont zu überschreiten
und über den Tellerrand zu blicken."
Bildung muss Brücken bauen, zwischen Nähe und Ferne, zwischen Vertrautem und Fremdem,
zwischen dem Ich und den Anderen. Natürlich werden Sie sofort einwenden, dies sei alles
andere als eine wegweisend neue Erkenntnis. Und indem ich mich auf ein altes chinesisches
Sprichwort beziehe, möchte ich Sie auch in der Einsicht bestärken, dass die Grundregeln eines
erfolgreichen Unterrichts und einer guten Erziehung auch im 21. Jahrhundert nicht alle neu
erfunden werden müssen. Aber ich gehe davon aus, dass sich das prekäre Problem der
Vermittlung von Nähe und Ferne, von Heimat und Fremde, von Identität und Weltoffenheit in
der Epoche der Globalisierung in neuer, verschärfter Form stellt. Im globalen Zeitalter muss
sich Bildung von vorneherein in einem maximal erweiterten Horizont entfalten, in einem
globalen, weil alles Unmittelbare, Lokale, Vertraute, nur noch in seinen weltweiten Bezügen
begriffen werden kann.
Und weil die Globalisierung den Zusammenhang und die wechselseitige Durchdringung
zwischen individueller Lebenswelt und globalen Entwicklungen ganz neu arrangiert, stellt sie
auch eine gewaltige Herausforderung für Schule, Bildungspolitik und Pädagogik dar, die ich
in meinem Vortrag beleuchten möchte.
Globalisierung als Herausforderung für die Pädagogik – eine solche Fragestellung wirkt
freilich schon reichlich abgedroschen. Dabei war die Vokabel „Globalisierung" vor zehn
Jahren noch nicht einmal im Duden verzeichnet - und in Deutschland war übrigens auch
nirgendwo von Globalem Lernen die Rede. Doch mittlerweile sind die Bücher, Artikel und
Vorträge über die „Globalisierung als Herausforderung für dieses und jenes" Legion. Kein
Lebensbereich scheint mehr verschont, sich angesichts der globalen Herausforderung neu
orientieren zu müssen.
Selbst ein so bodenständiges Berufsfeld wie die Fußpflege gerät unter den Druck der
Globalisierung, wie man aus folgender Notiz meiner regionalen Tageszeitung schließen
könnte:
„Reutlingen. Im Zuge der Globalisierung wird der Beruf des Medizinischen Fußpflegers an
Europa angeglichen und ein neues Berufsbild – die Podologie – entsteht. Wie das aussehen
soll, wird (...) am morgigen Dienstag im Gebäude der AOK genauer erläutert..."
„Globalisierung" muss inzwischen als Erklärungsmuster für beliebige Veränderungen her
halten. Handelt es sich dabei vielleicht, wie manche Sozialpsychologen mutmaßen, nur um ein
„Diskursphänomen", um ein durch Medien und Öffentlichkeit erzeugtes
Wahrnehmungsmuster, das unser Denken und Handeln wirkungsmächtig bestimmt, ganz
unabhängig davon, ob die behauptete Wirklichkeit der Globalisierung nun tatsächlich
existiert? Zumindest die Podologen sind m.E. einem allzu aufgebauschten Spukbild
aufgesessen.
Und wie steht es mit den Pädagogen? Sie haben die Herausforderung erstaunlicherweise erst
zaghaft angenommen. Ungeachtet der allgemeinen Globalisierungshysterie hält sich die
pädagogische Diskussion bislang bedeckt – ja ich fürchte, dass die globale Herausforderung
in Bildungspraxis, Bildungspolitik und Pädagogik vielerorts noch verschlafen wird.
Einige knappe Belege für diesen Befund müssen genügen:
a) Auf der Ebene der akademischen Erziehungswissenschaft: erst jetzt, in der aktuellen
Augustausgabe der führenden erziehungswissenschaftlichen Zeitschrift in Deutschland, der
Zeitschrift für Pädagogik, ist zum ersten Mal, im 47. Jahrgang, ein Hauptbeitrag zum Thema
„Bildung und Globalisierung" eines prominenten Erziehungswissenschaftlers, Walter
Hornstein, zu finden - ein Beitrag, der sich jedoch bezeichnenderweise vor allem der Frage
widmet, weshalb es die deutsche Erziehungswissenschaft bislang versäumt hat, ihre
Aufmerksamkeit den globalen Fragen zuzuwenden.
b) Auf der Ebene der Bildungspolitik: Ein Überblick über die Lehrpläne der Bundesländer
mag zwar den erfreulichen Befund erbringen, dass globale Frage inzwischen in den Curricula
aller Schulstufen verankert sind. Allerdings kommen verschiedene Gutachten (u.a. des BMBF,
des BMZ oder der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung)
die in den letzten Monaten vorgelegt wurden, zu dem Schluss, dass den Schicksalsfragen der
Menschheit insgesamt nur ein sehr bescheidener Stellenwert in den Lehrplänen zugedacht ist
– ein Mauerblümchen-Dasein, das der gesellschaftlichen Problemlage nicht annähernd gerecht
werden kann. Grob wird der Anteil der Lehrplaneinheiten, die an allgemeinbildenden Schulen
explizit für das Themenfeld Eine Welt/Nachhaltige Entwicklung ausgewiesen sind, mit
weniger als 2% veranschlagt.
Doch in manchen Bildungsbereichen ist selbst dieses rudimentäre Quantum nicht
gewährleistet. So heißt es in einer aktuellen empirischen Bestandsaufnahme zur
Berufspädagogik von Reinhold Nickolaus: „Die Diskussion über das Leitbild einer
nachhaltigen Entwicklung hat die in der Berufbildung tätigen Akteure bislang nicht erreicht."
Ein Armutszeugnis für das deutsche Bildungswesen, fast zehn Jahre, nachdem sich die
Staatengemeinschaft in Rio de Janeiro darauf verpflichtet hat, die nachhaltige Entwicklung
zur Richtschnur der Gesamtpolitik, d.h. auch der Bildungspolitik zu machen!
Nach mehreren vergeblichen Anläufen war es der Konferenz der Kultusminister endlich
gelungen, 1997 eine Empfehlung zum „Unterricht über Eine Welt/Dritte Welt" zu
verabschieden, die im Detail zwar Mängel aufweist, die aber zumindest eine wichtige
Legitimationsgrundlage für das Globale Lernen bietet, indem sie das Themenfeld „Eine
Welt/Dritte Welt" zum unverzichtbaren Bestandteil einer jeden zukünftigen Allgemeinbildung
erklärt. Leider hat sich in der Umsetzung dieser Empfehlung in den einzelnen Bundesländer
wenig getan, wie eine Umfrage darlegt, deren Ergebnisse jüngst in epd-Entwicklungspolitik
veröffentlicht wurden; eine Kopie des Beitrags (von Jutta Janzen und Barbara Toepfer) liegt
Ihrer Tagungsmappe bei.
Einen erfreulicher Schritt nach vorne hat immerhin Hamburg gewagt: Dort wurde in diesem
Jahr das Globale Lernen an den Schulen bundesweit erstmalig auf eine verbindliche,
bildungspolitisch fixierte Arbeitsgrundlage gestellt - ein Schritt, der unbedingt Schule machen
sollte! Trotz solcher Errungenschaften, und trotz der punktuellen Bemühungen einzelner
Schulen und engagierter Lehrer um eine Erziehung zur internationalen Verständigung muss
man feststellen, dass sich Bildungspolitik und Erziehungswissenschaft von der globalen
Herausforderung noch reichlich unbeeindruckt zeigen. Der Freiburger Friedensforscher
Arnold Bergsträsser beklagte im Jahr 1959, dass unsere Erziehungssysteme, die aus
nationalkulturellen Grundauffassungen entstanden waren, noch weit davon entfernt sind, der
neuen Weltlage des Jahrhunderts gerecht zu werden." Ich fürchte, seine ernüchternde
Diagnose bleibt auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts noch gültig.
Die neue Weltlage ist vor allem von den Chancen, Risiken und Verwerfungen gezeichnet, die
die Globalisierung mit sich bringt. Sie zwingt zu grundlegenden Umbauten unseres
Bildungswesens und unserer Bildungskonzepte, in erster Linie zu einem Abschied von einem
nationalstaatlichen und nationalkulturellen Bildungsdenken – das ist die These, die ich hier
erläutern möchte.
Dazu möchte ich in folgenden Schritten vorgehen:
Zunächst dürfte es nützlich sein, zu präzisieren, was denn eigentlich unter „Globalisierung"
verstanden werden soll; sodann möchte ich die verschiedenen Hinsichten auffächern, in denen
Globalisierung als pädagogisches Problem auftaucht und schließlich die Eckpunkte einer
didaktischen Konzeption Globalen Lernens benennen, die man vielleicht auch als Programm
einer weltbürgerlichen Erziehung im globalen Zeitalter umschreiben könnte.
II.
Zunächst also: Was ist Globalisierung?
In den vergangenen Monaten scheint es selbst für den französischen Ministerpräsidenten oder
den deutschen Bundeskanzler schick geworden, sich als Globalisierungskritiker zu outen – um
so nötiger ist es, zu präzisieren, wogegen man genau opponiert, wenn man sich als
„Globalisierungsgegner" versteht und was es mit der – von der einen Seite begrüßten, von der
anderen bekämpften - Globalisierung auf sich hat.
Wenigstens folgende Bedeutungsebenen sollten unterschieden werden:
a) Die weltwirtschaftliche Integration: Die Wirtschaft ist sicherlich die wichtigste Triebfeder
der Globalisierung, auch wenn es ganz und gar falsch wäre, den Globalisierungsprozess auf
ein wirtschaftliches Phänomen beschränken zu wollen. Die Intensität der weltwirtschaftlichen
Verflechtungen hat in den letzten beiden Jahrzehnten enorm zugenommen: der Anteil des
grenzüberschreitenden Handel an den weltweiten Wirtschaftsleistungen ist von rund 9% Mitte
der 1960er Jahre auf heute über 17% gewachsen. Mittlerweile geraten mehr als ein Fünftel
aller weltweit produzierten Güter, Dienstleistungen zunächst ausgenommen, in den Sog der
internationalen Märkte. Das relative Wachstum des internationalen Handels würde es
allerdings noch nicht rechtfertigen, tatsächlich bereits von einer neuen Qualität der
weltwirtschaftlichen Entwicklung zu sprechen. Diese neue Qualität, die mit der
Globalisierung einhergeht, ergibt sich viel mehr daraus, dass zum internationalen Handel auch
die Internationalisierung der Produktion hinzutritt und zur Regel wird. Der „deutsche" VW-
Polo, den ich fahre, wurde im spanischen Pamplona montiert und dort aus Einzelteilen
zusammengesetzt, die ihrerseits in mindestens 16 anderen Regionen der Welt, von Tschechien
bis Mexiko, gefertigt worden sind.
Die Transnationalisierung der wirtschaftlichen Produktion, sei es durch
Auslandsinvestitionen, Firmenfusionen oder durch Outsourcing, erfasst zunehmend auch den
Dienstleistungsbereich und nimmt dort oftmals verblüffende Formen an. Wussten sie zum
Beispiel, dass die Flughafenansagen im Flughafen Berlin-Tegel nach 20.00 Uhr live von
Sprecherinnen ins Mikro gesprochen werden, die in diesem Moment weit weg in Kalifornien
sitzen? Oder, ein anderes Beispiel: wenn Sie als Kunde der britischen Harrods-Ladenkette
beim Servicetelefon mit Londoner Nummer anrufen, um sich nach einem neuen Produkt zu
erkundigen, werden Sie, ohne dass Sie es merken, auf ein Call-Center in Delhi, Indien,
umgeschaltet, und dort, auch wenn es in Indien längst dunkel geworden ist, mit einem
freundlichen „Good Morning" begrüßt und in bestem Oxford-Englisch beraten.
Entfernungen sind weitgehend irrelevant geworden. Doch das bedeutet natürlich nicht, dass
die Welt zu einem einheitlichen Wirtschaftsraum verschmolzen wäre. Denn nach wie vor
konzentrieren sich mehr als 70% des internationalen Handels auf den Handel zwischen den
wohlhabenden Staaten des Nordens, während der Anteil der ärmsten Länder am Welthandel
beständig sinkt. Doch auch Staaten, deren Wirtschaft auf dem Weltmarkt eine
vernachlässigbare Größe darstellt, sind mehr denn je von den Geschehnissen auf diesem
Weltmarkt abhängig. So kann man sich leicht ausmalen, was z.B. der gegenwärtige Verfall
der Weltmarktpreise für Kaffee für ein Land wie Uganda bedeutet, das zwar nur für 4 % der
weltweiten Kaffeeproduktion verantwortlich zeichnet, dessen Deviseneinkünfte aber zu 85%
am Kaffeeexport hängen.
b) Die Weltmarkt-Ideologie. Die wirtschaftliche Globalisierung lässt sich als Zunahme der
weltwirtschaftlichen Verflechtungen und Ausdehnung der kapitalistischen Wirtschaftsweise
auf den gesamten Globus beschreiben. Trotz der Ungleichgewichte, die sie hervorbringt, ist
sie eine Tatsache, die zwar korrigiert, vermutlich aber kaum mehr umgekehrt werden kann.
Demgegenüber ist die neoliberalistische Auffassung von der Globalisierung, die diesen
Prozess per se gutheißt und zum Garanten für weltweiten Wohlstand verklärt, eine
Weltanschauung, eine Ideologie, die gleichwohl mittlerweile die Politik in den meisten
Ländern und in den internationalen Institutionen beherrscht. Der Neoliberalismus geht sehr
verkürzt gesagt davon aus, dass sich der Wohlstand am besten dadurch befördern lässt, dass
alle Handelshemmnisse zwischen den Staaten abgebaut werden und die Politik sich aus der
Steuerung und Regulation wirtschaftlicher Prozesse vollständig zurückziehen soll.
Globalisierung bedeutet so gesehen die Kapitulation der Politik vor der Macht der Ökonomie.
Letztendlich ist es genau diese Selbstentmachtung der Politik und damit einhergehend der
wachsende Einfluss der multinationalen Konzerne auf die gesellschaftliche Entwicklung
gegen die sich die sogenannten „Globalisierungsgegner" wenden.
c) Die weltgesellschaftliche Integration: Da es sich bei den Globalisierungskritikern um eine
weltweit vernetzte Bewegung handelt, die das world wide web ebenso selbstverständlich nutzt
wie die internationalen Flugverbindungen, kann man davon ausgehen, dass sich deren
Widerstand nicht gegen diese von mir aufgeführte dritte Bedeutung der Globalisierung richtet,
nämlich die Zunahme der internationalen zwischenmenschlichen Kontakte, den kulturellen
Austausch, das Reisen, die politische Zusammenarbeit etc. In diesem allgemeinsten Sinne
kann man Globalisierung verstehen als relative Zunahme, Ausdehnung und Verdichtung
sozialer Beziehungen, Einflüsse und Aktivitäten über nationalstaatliche Grenzen hinweg.
An Beispielen, die die durchschlagende Kraft von Globalisierungsprozessen in Deutschland in
diesem Sinne belegen, herrscht kein Mangel: Der Anteil internationaler Ferngespräche, die
von Deutschland aus geführt werden, hat sich in den letzten dreißig Jahren vervierfacht; führte
in den siebziger Jahren erst jede zweite Haupturlaubsreise der Deutschen ins Ausland, so ist
der Anteil der Auslandsreisen auf über 70% gestiegen, von der fünfundzwanzigfachen
Steigerung der internationalen Flugkilometer im selben Zeitraum ganz zu schweigen; und das
Gewicht der Weltmusik auf dem Musikmarkt nimmt unüberhörbar (und erfreulicherweise)
ebenso zu wie die Bedeutung internationaler Standards - man denke z.B. nur an das jüngst in
Deutschland eingeführte EU-Bio-Siegel – oder auch der Einfluss internationalen (z.B. EU-
)Rechts, das die Spielräume nationaler Rechtssprechung zunehmend begrenzt.
Eine großangelegte empirische Studie unter Leitung des Bremer Politikwissenschaftlers
Michael Zürn hat am Beispiel Deutschlands belegt, dass die Globalisierung - oder „De-
Nationalisierung", wie Zürn diesen Prozess zutreffender bezeichnet - des gesellschaftlichen
Lebens enorm vorangeschritten ist und ein historisch einmaliges Ausmaß angenommen hat,
das es tatsächlich rechtfertigt, vom Beginn einer neuen Epoche zu sprechen. Das Zeitalter der
Nationalstaaten neigt sich zu Ende – das heißt nicht, dass damit Nationalstaaten als politische
Organisationsformen dem Untergang geweiht sind, es bedeutet vielmehr, dass die
Verdichtung von Lebensraum, kultureller, sprachlicher, wirtschaftlicher und politischer
Einheit auf einem von Staatsgrenzen abgezirkelten Territorium unwiderruflich
auseinandergebrochen ist. Das wird ohne Zweifel Konsequenzen für ein Bildungssystem
haben müssen, das zur Blüte kam, als es darum ging, genau diese nationale Identität zu stiften.
d) Mit der Zunahme der internationalen Verflechtungen und wechselseitigen Abhängigkeiten
entstehen zwangsläufig auch vertrackte Problemverkettungen, die die Menschheit zu einer
globalen Risikogemeinschaft zusammenbinden – auch wenn man davon ausgehen muss, dass
die Verursacher globaler Krisen häufiger im Norden und die Leittragenden vor allem unter
den Armen der Welt anzutreffen sind. Dass die Auswirkungen des Treibhauseffektes, für den
zum überwiegenden Teil Europäer und US-Amerikaner verantwortlich sind, vor allem die
Ärmsten der Armen zum Beispiel in Bangladesh oder auf den Malediven betreffen, ist
hinlänglich bekannt.
Weniger bekannt mag vielleicht sein, dass im Zuge der BSE-Krise in der europäischen
Rinderhaltung und dem damit einhergehenden Tiermehlverfütterungsverbot nun die
Sojaproduktion in Brasilien ausgeweitet wurde, was zur Folge hat, dass vielen
kleinbäuerlichen Pächtern, die bislang auf Reserveflächen wirtschafteten, die
Lebensgrundlage entzogen wird oder weitere Waldgebiete zur Landgewinnung abgeholzt
wurden. Fatal ist auch, dass im Anschluss an die südostasiatischen Finanzkrise 1997, die von
Devisenspekulanten in Singapur, Tokio, London oder New York ausgelöst wurde, alleine in
Thailand und Indonesien mehrere Millionen Menschen, die mit der Börse eigentlich nichts zu
tun hatten, ihre Arbeit verloren und ins Elend stürzten. Probleme wie Treibhauseffekt und
Turbulenzen auf den Finanzmärkten haben globale Ursachen, und sie sind in der Reichweite
ihrer Wirkung nicht mehr regional zu begrenzen. Es ist kein Zufall, dass die neunziger Jahre,
in denen die Globalisierung einen enormen Schub erfahren hat, zugleich als das Jahrzehnt der
Weltkonferenzen in die Geschichte eingehen werden. Der dichte Reigen der Weltgipfel sucht
nach staatenübergreifenden Lösungen für die weltweiten Probleme, die die Globalisierung
erzeugt hat.
Als die politisch dringlichsten Fragen der Gegenwart benennt die „Agenda 21", die 1992 von
der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung verabschiedet worden ist, die „zunehmende
Ungleichheit zwischen Völkern und innerhalb von Völkern" und die „fortschreitende
Schädigung der Ökosysteme, von denen unser Wohlergehen abhängt". Sie werden nur gelöst
werden können, wenn es gelingt, neue Steuerungsinstrumente transnationaler Politik
einzurichten, d.h. eine Weltordnungspolitik, die einer Globalisierung der Politik und der
politischen Verantwortung gleichkommt. So gesehen geht es nicht darum, den
Globalisierungsprozess rückgängig zu machen, sondern ihn vielmehr zu demokratisieren.
Denn im Zeitalter der Globalisierung ist die nationalstaatliche Demokratie zu klein für die
großen Probleme der Welt geworden, und zu groß für die kleinen Probleme der Lebens.
e) Die letzte Facette der Globalisierung, auf die ich an dieser Stelle aufmerksam machen
möchte, hatte ich bereits in Zusammenhang mit den Podologen angesprochen. Globalisierung
ist auch und insbesondere ein Diskursphänomen, eine kommunikativ erzeugte
Weltanschauung, die von vorneherein damit rechnet, dass unsere Leben inzwischen in
weltweite Zusammenhänge und Abhängigkeiten verflochten ist, die einen übermächtigen
Einfluss auf unsere Lebensgestaltung ausüben können. Bei Tarifverhandlungen
beispielsweise ist die Wirksamkeit der Vorstellung, in einer globalisierten Ökonomie zu
agieren, längst zu beobachten: Die latenten Drohung, dass man bestimmte Vorprodukte
billiger aus Südkorea einkaufen könnte oder die Produktion in eine freie Produktionszone in
Mittelamerika auslagern könnte, verfehlt ihre Wirkung nicht, auch wenn sie von niemandem
ausgesprochen werden muss.
Entscheidend ist gar nicht, dass bestimmte Optionen ergriffen werden: das Wissen darum,
dass sie möglich sind, reicht aus, um unser Handeln und unsere Entscheidungen zu
bestimmen. Entscheidend für das Ausmaß der Globalisierung ist nicht die Häufigkeit der
tatsächlich geführten Ferngespräche oder die Zahl der Interkontinentalflüge - charakteristisch
für das globale Zeitalter ist vielmehr, dass die Vermutung, in einem globalen Dorf zu leben,
unser Denken und Handeln bestimmt, d.h. das Wissen darum, dass ich theoretisch die
Möglichkeit hätte, mit jedem Menschen auf diesem Planeten jederzeit in Kontakt zu treten
und die Vermutung, dass Ereignisse an beliebigen Orten der Welt jederzeit Einfluss auf mein
Leben nehmen können.
Gewiss verfügt die Mehrzahl der Menschen im Süden nicht über die materiellen
Voraussetzungen, um an den Versprechungen des weltweiten Möglichkeitsraumes auch nur
annähernd teilhaben zu können. Aber auch die Ärmsten der Armen wissen inzwischen um die
Möglichkeiten, die die Welt anderen bietet und die ihnen vorläufig verschlossen sind – und
das macht die Armut nur umso schwerer erträglich.
Nach diesem raschen Durchgang durch verschiedene Bedeutungsebenen der Globalisierung
möchte ich zwei Schlussfolgerungen festhalten, die von erheblicher pädagogischer Bedeutung
sind:
1) Globalisierung erhöht generell den Wohlstand, die Handlungsmöglichkeiten der
Menschheit, verschärft aber auch die Verteilungsproblematik und die Risiken. Die Welt war,
betrachtet man das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen, noch nie so reich wie gerade
heute. Gleichzeitig wissen wir, dass mehr als 1 Milliarde Menschen in absoluter Armut leben
müssen. Seit Ausrufung der ersten Entwicklungsdekade der Vereinten Nationen vor vier
Jahrzehnten hat sich die Kluft zwischen dem reichsten Fünftel und dem ärmsten Fünftel der
Weltbevölkerung mehr als verdoppelt.
Der Versuch, der Globalisierung ein menschliches Antlitz zu geben, wie dies auch die
UNESCO proklamiert hat, auf sieht sich mit der enormen ethischen Herausforderung
konfrontiert, dass das Schicksal dieser Armen für den weiteren Gang der Weltgeschichte
weitgehend irrelevant geworden scheint. Ein Wirtschaftswissenschaftler bemerkte einmal
zynisch: Wenn Afrika heute vollständig im Meer versinken würde, die Börsen würden davon
keine Notiz nehmen. Weite Teile der Welt sind offenbar, sei es als Rohstofflieferanten, als
Quelle von Arbeitskraft oder als Konsumentenmärkte, für das Funktionieren der
kapitalistischen Weltwirtschaft uninteressant geworden. Das klassische
Abhängigkeitsverhältnis zwischen Herr und Knecht, zwischen Arm und Reich, Unternehmer
und Arbeitnehmer, Wirtschaft und Massenkaufkraft, das auch noch den „rheinischen
Kapitalismus" kennzeichnet, brachte ein Gedicht von Bertolt Brecht schön auf den Punkt:
„Reicher Mann und armer Mann
Standen da und sah'n sich an.
Und der Arme sagte bleich:
Wär' ich nicht arm, wärst du nicht reich"
Im Zuge der Globalisierung und des Umbruchs von der Industrie zur Wissensgesellschaft
wandelt sich das Verhältnis von Reich und Arm von Ausbeutung zu Exklusion, wie die
Soziologen sagen. Doch damit zerfällt auch die Basis, die zumindest ein Minimum an
Solidarität zwischen arm und reich nötig und möglich macht, weil beide aufeinander
angewiesen waren. Und so wundert es auch nicht, dass die zunehmende Vernetzung der Welt
was z.B. den Austausch von Waren und kulturellen Dienstleistungen anbelangt, zugleich
einhergeht mit dem Bau neuer Grenzen, mit dem Bau eines neuen Limes, mit dem sich z.B.
die Reichen in Europa die Privilegien ihres nicht demokratisierbaren Wohlstandes gegenüber
den Armen aus dem Süden schützen wollen. Die Debatte um ein restriktives
Zuwanderungsrecht, die Auswirkungen des Schengener Abkommens, oder auch die
schreckliche Odyssee der afghanischen Flüchtlinge im indonesischen Archipel mögen als
Beispiele genügen. Die Möglichkeit der Solidarität in der zerrissenen Weltgesellschaft ist eine
enorme und völlig neuartige ethische Herausforderung, und damit auch Herausforderung für
eine Erziehung zur internationalen Verständigung, die sich nicht mehr mit dem Hinweis auf
unser „aufgeklärtes Eigeninteresse" an der Linderung der Not begnügen kann.
2) In allen der von mir geschilderten Dimensionen der Globalisierung wird deutlich:
Globalisierung ist nicht etwas, was sich allein über unseren Köpfen ereignet, es ist vielmehr
ein Prozess, der quer durch unsere Lebenswelt und unser Weltbewusstsein hindurchgeht.
Globalisierung ist nicht etwas, was sich über den Wolken unserer alltäglichen Erfahrung
vollzieht und nur die Manager internationaler Konzerne oder der UN-Diplomatie betrifft.
Globalisierung, das meint nicht, zumindest nicht nur, gigantische abstrakte Strukturen, die
sich wie eine Käseglocke über uns stülpen. Globalisierung ereignet sich vielmehr durch jede
alltägliche Aktivität, durch alles Lokale hindurch, entsteht durch die Vernetzung und
Verknüpfung jedes konkreten lokalen Tuns. Die Ferne durchdringt den Nahbereich.
Um auszudrücken, dass das Globale immer im Lokalen konkret wird, hat der amerikanische
Soziologe Robertson den raffinierten Begriff der „Glokalisierung" vorgeschlagen.
Glokalisierung kennzeichnete ursprünglich eine Marketingstrategie internationaler Konzerne,
mit der standardisierte globale Produkte an die besonderen Vorlieben lokaler Märkte
angepasst oder entsprechend beworben werden. Heute lässt sich damit jede Form, in der
globale Zusammenhänge lokal zum Ausdruck kommen beschreiben.
Noch einmal: Die Globalisierung verwandelt den lokalen Alltag dergestalt, dass die Ferne, der
Welthorizont, in der Nähe stets gegenwärtig ist. Jeder Teil der Welt immer mehr in das
Weltganze eingebunden; und die Welt als Ganzes ist immer mehr in jedem ihrer Teile präsent.
Vielleicht erschließt sich jetzt deutlicher, weshalb ich dafür plädiere, das eingangs
vorgetragene chinesische Sprichwort pädagogisch fruchtbar zu machen.
Die Lebenswelt, in der Jugendliche heute aufwachsen, ist ebenso von dieser Einbindung in
globale Zusammenhänge geprägt, man denke nur an Pokémon oder die weltweiten Trends der
Jugendkultur. Das bedeutet aber auch, dass ein klassischer Grundsatz der
Sozialisationsforschung heute keine Geltung mehr hat, nämlich der, dass sich die
biographische Entwicklung Jugendlicher in konzentrischen Kreisen vollzieht, die erst nach
und nach erweiterte Lebensräume erschließen. „Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
die sich um eine Mitte dreh'n" – ja, aber auch in dieser Mitte ist die Welt bereits zur Gänze
präsent!
III.
Dies führt mich zu den pädagogischen Aspekten der globalen Herausforderung, die ich
wiederum, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, in verschiedene Dimensionen auffächern
möchte. In folgenden fünf Hinsichten zwingt die Globalisierung, das Bildungswesen dazu,
hergebrachte Konzepte und Strukturen zu revidieren:
a) Veränderungen jugendlicher Lebenswelt
b) Anpassungserfordernisse nationaler Bildungssysteme
c) Widersprüche der pädagogischen Globalisierung
d) Rolle der Bildung bei der Entstehung von globalen Problemen
e) Rolle der Bildung bei der Bewältigung von Globalisierungsfolgen
a) Den ersten Aspekt hatte ich bereits benannt: die Globalisierung verändert die
Erziehungswirklichkeit, in der die nachwachsende Generation heute aufwächst. Neben
Familie, Peer Group und Schule treten weitere mächtige Sozialisationsinstanzen, die
gewissermaßen aus der Ferne wirken, die Massenmedien, eine globale Jugendkultur, die
Faszination fremder Länder und Menschen, aber z.B. auch die Sorgen und Ängste von
Kindern und Jugendlichen vor globalen Krisen, Umweltkatastrophen, Kriegen. Die Kinder
kommen, was die globale Wirklichkeit anbelangt, nicht als unbeschriebenes Blatt, als tabula
rasa, in die Schule. Globales Lernen hat kein Monopol auf die pädagogische Vermittlung der
globalen Lage. So hat auch die UNESCO in ihrem letzten Sechs-Jahresbericht zur
Umsetzung der UNESCO-Empfehlungen für eine Erziehung zur internationalen
Verständigung konsterniert feststellen müssen, dass es in der Regel nicht die Schule ist, aus
der heutige Schüler ihr Wissen von anderen Ländern und von Weltproblemen beziehen,
sondern das Fernsehen. Eine der wichtigsten Aufgaben Globalen Lernens dürfte daher gerade
darin bestehen, das Vorwissen, die Weltbilder, oder auch die Vorurteile der Schüler über das,
was die Welt zusammenhält, sichtbar zu machen und aufzuarbeiten.
b) Der verschärfte internationale Wettbewerb übt einen enormen Druck auf die Anpassung der
nationalen Bildungssysteme aus. Der Bundesverband der deutschen Arbeitgeberverbände
begründet sein Plädoyer für eine neue Bildungsoffensive mit dem globalen Konkurrenzdruck:
„Zwischen den Bildungssystemen ist ein weltweiter Wettbewerb entstanden. Wollen wir in
der internationalen Konkurrenz der Köpfe bestehen, müssen wir alles unternehmen, damit wir
die Chancen des Standortes Deutschland nicht schon im Klassenzimmer verspielen".
Die SPD hat sich dieser Argumentation mittlerweile angeschlossen, und schlägt in ihrem
bildungspolitischen Leitantrag, der auf dem Bundesparteitag im November verabschiedet
werden soll, eine Bildungsoffensive vor, die in erster Linie zum Ziel hat, den Bildungs- und
Wirtschaftsstandort Deutschland im internationalen Wettbewerb zu stärken. Was unter diesen
Vorzeichen als „Internationalisierung des Bildungswesens" verstanden wird, bliebt letztlich
im schmalspurigen nationalen Denken befangen und hat mit Weltoffenheit wenig zu tun. Es
geht um die wechselseitige Anerkennung von Bildungsabschlüssen zwischen den Staaten, die
Einführung von Bachelor/Master-Studiengängen und um die Vermittlung von
Schlüsselqualifikationen, wie z.B. Fremdsprachenkenntnissen, derer die heranwachsende
Generation bedarf, um den Anforderungen gewachsen zu sein, die ein internationalisierter
Arbeitsmarkt an sie stellt. Der Globalisierungsschub wird in den nächsten Jahren eine
Bildungsoffensive für eine Bildungselite nach sich ziehen, die vermutlich, wie dies Professor
Hübner in seinem Eröffnungsvortrag bereits erläutert hat, mit einer Privatisierung und
Kommerzialisierung des Bildungsmarktes einhergehen und vor allem der Anpassung der
Lernenden an die ökonomischen Bedarf dienen wird. Das deutsche Bildungswesen soll
einerseits „die besten Köpfe der Welt" hervorbringen, andererseits aber auch, wie eine
Marketing-Initiative der Bundesregierung dies nun betreibt, „die besten Köpfe der Welt" nach
Deutschland locken.
c) Bildung und Pädagogik sind allerdings nicht nur passiv dem Druck der Globalisierung
ausgesetzt, vielmehr ist zu beobachten, dass die Bildung selbst in vielen Bereichen zu einem
Schrittmacher der Globalisierung geworden ist. Weltweit hat sich ein vergleichbares Modell
schulischer Bildung durchgesetzt, mit erstaunlichen Ähnlichkeiten des Fächeraufbaus, der
Stundentafeln, der Unterrichtsmethoden und der institutionellen Struktur. Es haben sich
weltweit gemeinsame Standards entwickelt, die z.B. in internationalen
Schulleistungsvergleichen gemessen werden, es gibt eine gemeinsame
Weltbildungsprogrammatik, die nicht zuletzt von der UNESCO gepflegt und betrieben wird -
so gesehen hat sich, trotz der nationalen oder föderalen Struktur des Bildungswesens, so etwas
wie ein Welterziehungssystem herausgebildet. Die UNESCO-Projektschulen sind als Teil
eines weltweiten Schulnetzwerkes selbst ein hervorragendes Beispiel für diese Form der
pädagogischen Globalisierung.
Es kann nicht verwundern, dass die Globalisierung im Bildungswesen ähnliche Verwerfungen
aufweist, wie dies für die wirtschaftliche Globalisierung der Fall ist. Während die
Industriestaaten seit langem die Beschulung aller schulpflichtigen Kinder sicherstellen
können, kann in Indien oder Pakistan nur jedes zweite Kind eine Schule besuchen. Das von
der UNESCO zunächst für das Jahr 2000 anvisierte Ziel, allen Menschen eine Grundbildung
zu ermöglichen, wurde weit verfehlt. Es ist eine Schande, dass die anhaltende Missachtung
des Menschenrechtes auf Bildung, das in Artikel 26 der Menschenrechterklärung festgelegt
ist, in der Erziehungswissenschaft wie in der deutschen Entwicklungspolitik so wenig
Aufsehen erregt.
d) Die globale Entwicklungskrise kann auch als eine Lern- und Erziehungskrise gedeutet
werden. Die Menschheit steht gerade in einer Epoche am Rande der Selbstzerstörung, in der
sie ein historisch unerreichtes Maß an Wissen angehäuft hat und die Menschen mehr Zeit in
Bildungseinrichtungen verbringen als jemals zuvor in der Menschheitsgeschichte. Dies belegt,
dass Bildung und Wissenschaft uns bislang nicht davor bewahrt haben, den Weg einer nicht
nachhaltigen Entwicklung zu beschreiten. Es ist zu befürchten, dass die Art und Weise, wie in
unseren Bildungseinrichtungen Lernen organisiert und wie Forschung betrieben wird, mit
dazu beiträgt, jene Geisteshaltung zu befördern, die die Welt in die globalen Probleme
hineingeführt hat. Paradoxerweise geht doch gerade von jenen reichen Gesellschaften des
Nordens das größte ökologische Gefahrenpotenzial aus, die über die bestausgestatteten
Bildungssysteme und die meisten Lehrer, Wissenschaftlerinnen und Professoren verfügen.
Die Erforschung der pädagogischen Mitverantwortung an den weltweiten Fehlentwicklungen
ist ein erziehungswissenschaftlich noch weitgehend unbeackertes Feld.
e) Schließlich ist die Pädagogik aufgefordert, einen Beitrag zur Lösung der Folgeprobleme der
Globalisierung zu leisten. Die Abschlussdokumente der zahlreichen Weltgipfel haben keinen
Zweifel daran gelassen, dass die globalen Probleme ohne aktive Teilhabe, Akzeptanz und
Kompetenz der breiten Öffentlichkeit und eine umfassende Mobilisierung der sozialen
Fantasie nicht zu bewältigen sind. Die menschliche Lernfähigkeit ist, so erklärt es auch der
Bericht der UNESCO-Kommission zur Bildung im 21. Jahrhundert, der Schatz, die
entscheidende Ressource, die gehoben werden muss, um die gefährdete Lage der Welt wieder
ins Lot zu bringen.
Genau an diesem Punkt setzt eine Bildungskonzeption Globalen Lernens an – auch wenn ich
es für völlig verfehlt hielte, Globales Lernen auf eine Pädagogik der Weltprobleme begrenzen
zu wollen. Globales Lernen ist vielmehr Persönlichkeitsbildung im Welthorizont, und so
gesehen nur ein anderer Name für eine erneuerte Allgemeinbildung, die den Anforderungen
des globalen Zeitalters gerecht wird.
IV.
Damit komme ich zum letzten Themenfeld meiner Ausführungen, der Skizzierung eines
pädagogischen Ansatzes, der darauf zielt, der prekären Lage der Welt mit den Mitteln der
Erziehung zu begegnen und zugleich die Lernenden dazu befähigt, unter Bedingungen der
Globalisierung ein gelingendes und verantwortungsbewusstes Leben zu führen.
Dergleichen Bemühungen firmieren im deutschsprachigen Raum seit Kurzem unter dem Titel
eines „Globalen Lernens". Ich halte diesen Terminus, den wir dem Forum Schule für Eine
Welt aus der Schweiz verdanken, aus vielerlei Gründen für unglücklich und irritierend, will
ihn gleichwohl verwenden, weil inzwischen klar geworden ist, was er bezeichnet. Wenn Sie
heute allerdings z.B. im Internet unter „global learning" suchen sollten, werden Sie in erster
Linie auf Angebote des Fernunterrichts und des long-distance-learning via Internet oder
Studienbriefen stoßen. Dies ist mit Globalem Lernen in unserem Verständnis nicht gemeint;
klüger wäre es gewesen, den im angelsächsischen Raum seit den siebziger Jahren eingeführten
Begriff der „Global Education", aus dem er letztlich hervorgeht, z.B. mit „Globaler Bildung"
zu übersetzen – oder warum eigentlich nicht, mit „weltbürgerlicher Erziehung"?
Mir wäre sehr daran gelegen, wir könnten gerade auch im Verlaufe dieser Konferenz Globales
Lernen sehr weit fassen, als Sammelbegriff für vielfältige Bemühungen, eine
Horizonterweiterung pädagogischer Theorie und Praxis zu vollziehen, nicht als exklusiven
Begriff, der einer ganz bestimmten pädagogischen Lehrmeinung vorbehalten ist. Denn
Erziehungswissenschaftler wie Bildungspraktiker sind alle erst noch auf der Suche nach den
angemessenen pädagogischen Antworten auf die globale Herausforderung. In Deutschland
wurde zwar die Diskussion über Globales Lernen bisher vor allem in der
entwicklungspolitischen Bildung aufgegriffen und von den Nichtregierungsorganisationen
gepusht. Doch auch in der Friedenspädagogik, der interkulturellen Pädagogik, der
Umweltbildung oder dem ökumenischen Lernen kommt die globale Dimension des jeweiligen
Lernbereichs verstärkt in den Blick.
Gegenstandsbereich, Methode, Lernziel und Kontext sind die zentralen Dimensionen, die bei
der Analyse und Planung von Bildungsprozessen stets berücksichtigt werden müssen.
Bezogen auf diese vier Dimensionen lässt sich das Anliegen eines Globales Lernen durch alle
vorliegenden Ansätze hindurch so charakterisieren:
? Auf der Gegenstandsebene: Globales Lernen als Auseinandersetzung mit globalen Fragen,
und als Verwirklichung einer globalen Anschauungsweise in der Erziehung.
? In methodischer Hinsicht: Globales Lernen als ganzheitliches und interdisziplinäres Lernen,
das Zusammenhänge herstellt, verschiedene Wissensbereiche integriert und eine Lernkultur
pflegt, die alle menschlichen Erfahrungsdimensionen anspricht und entfaltet.
? Im Blick auf die pädagogische Zielsetzung: Globales Lernen als Beitrag zur Beförderung einer
zukunftsfähigen Entwicklung der Weltgesellschaft.
? Hinsichtlich des politisch-institutionellen Kontextes: Globales Lernen als Wahrnehmung eines
transnationalen Bildungsauftrags in grenzüberschreitender Bildungskooperation.
Ich kann mich zum Schluss auf einige Anmerkungen zum Prinzip der globalen
Anschauungsweise beschränken, zumal die vielen anderen Facetten des Globalen Lernens in
den Arbeitsgruppen dieser Tagung ausführlich und praxisnah beleuchtet werden.
Die Forderung nach einer globalen Anschauungsweise in der Erziehung ist bereits in der
UNESCO- Empfehlung des Jahres 1974 formuliert. Die Hinführung zu einem Denken und
Handeln im Welthorizont soll dabei nicht in erster Linie durch zusätzlichen Lernstoff, sondern
als ein durchgängiges Lernprinzip realisiert werden. Eine globale Anschauungsweise lässt sich
prinzipiell an einem jeden Bildungsgegenstand praktizieren.
Dabei kann es nicht darum gehen, die Schüler mit fernen Problemen zu traktieren, mit denen
sie nichts zu tun haben, und sie von außen an ein bloß abstraktes Wissen um eine Globalität,
die jenseits ihres Erfahrungshorizontes liegt, heranzuführen. Vielmehr zielt Globales Lernen
darauf ab, zu einem differenzierten Verständnis der eigenen multikulturellen
Lebenswirklichkeit anzuregen, die längst in globale Zusammenhänge verflochten ist, und die
Wirklichkeit der Weltgesellschaft gewissermaßen von innen heraus sichtbar zu machen. Die
Weltbezüge der Lebenswirklichkeit zu enträtseln ist der eigentliche Ausgangspunkt des
Prinzips einer globalen Anschauungsweise in der Erziehung, ja mehr noch, den Blick dafür zu
öffnen, dass Lebenswelt, Heimat und Identität, individuelle Lebens- und kollektive
Entwicklungsperspektiven unter den Bedingungen einer vernetzten Welt gar nicht mehr
anders als im Welthorizont begriffen werden können. Weil ein regionales oder nationales
Gesichtsfeld zu eng sind, um Orientierung in einer komplexen Weltgesellschaft zu
ermöglichen, ermutigt Globales Lernen dazu, Wahrnehmungs- und Beurteilungshorizonte in
Richtung auf eine globale Anschauungsweise zu überschreiten. Dies schließt die Neugier und
das Interesse an den Erfahrungen und Anliegen von Menschen in anderen Weltregionen ein,
wie auch die Bereitschaft, voneinander zu lernen.
Einer der Pioniere der us-amerikanischen Global Education, Chadwick Alger, hatte diesen
Ansatz bereits anfangs der 70er in einem großartigen Unterrichtsmodell unter dem Titel „Your
city in the world, the world in your city" entfaltet, in dem die Schüler angeregt wurden, die
vielfältigen Weltbezüge, in die ihre Stadt Columbia in Ohio aktiv wie passiv einbezogen ist,
vor Ort zu erkunden. Ein solches Lernmodell, das inzwischen zahlreiche erfolgreiche
Nachahmer gefunden hat, stellt das überkommene geographiedidaktische Prinzip „vom Nahen
zum Fernen" auf den Kopf. Aber auch in einer weiteren Hinsicht ist der didaktische Ansatz
„meine Stadt in der Welt – die Welt in meiner Stadt" wegweisend, kann er doch deutlich
machen, dass wir über sinnliche Erfahrungen und Erkundungen im Nahraum zur Erkenntnis
abstrakter, komplexer weltweiter Zusammenhänge geführt werden können. Der Philosoph
Hegel war, was die Lernwege zu einem abstrakten Denken anbelangten, ganz anderer Ansicht.
Er gab für den Unterricht an Gymnasien folgende Empfehlung:
„Der Jugend muß zuerst das Sehen und Hören vergehen, sie muß vom konkreten Vorstellen
abgezogen, in die Nacht der Seele zurückgezogen werden, auf diesem Boden sehen,
Bestimmungen festhalten und unterscheiden lernen (...) Abstrakt lernt man denken durch
abstraktes Denken"
Ich teile Hegels Sympathie für die Notwendigkeit eines abstrakten Denkens, das auf die
Erkenntnis von allgemeinen Strukturen und Zusammenhängen zielt und dem Offensichtlichen
misstraut – aber ich kann Ihnen nicht empfehlen, seinem didaktischen Ratschlag zu folgen.
Globales Lernen kann sich nicht allein über die Aneignung von Buch- und Reflexionswissens
vollziehen, auch wenn es um das Verständnis für abstrakte Zusammenhänge wie die
Welthandels- oder Weltfinanzordnung geht. Auch Globales Lernen bleibt angewiesen auf
gesättigte Primärerfahrungen von Wind und Wetter, auf die symbolische Kraft kultureller
Traditionen, auf die Freude, die es bereitet, ein Gefäß aus Ton zu formen, auf konkrete
freundschaftliche Beziehungen zwischen Menschen, deren Netzwerke gleichwohl den ganzen
Globus umspannen können. Die Erfahrungsarmut unserer heutiger Bildungslandschaft ist ein
denkbar schlechter Ausgangspunkt für das Erlernen von Weltoffenheit.
Das Erlernen einer globalen Anschauungsweise darf keinesfalls mit einer Vogelperspektive
verwechselt werden. Genauso wenig wie die Globalisierung eine einheitliche Welt
hervorbringt, sondern eine vielfach gebrochene Welt, kann das Anliegen, eine globale
Anschauungsweise zu realisieren, mit der Unterstellung einer einheitlichen Weltsicht
einhergehen. Die im Globalen Lernen angestrebte globale Perspektive kann keinen
Blickwinkel ausweisen, der standortunabhängig wäre. In der pädagogischen Programmatik
wie im konkreten Bildungsprozess kann es nur darum gehen, zu lernen, den eigenen Horizont
im Bewusstsein der eigenen Begrenztheit immer wieder zu überschreiten.
Globales Lernen zielt daher auf die Einsicht, die kulturelle Gebundenheit und Partikularität
der eigenen Weltsicht zu erkennen und die Bereitschaft, anderen Anschauungsweisen mit
Achtung und Neugier zu begegnen. Die verhandelten Themen und Bildungsinhalte müssen
aus der Sicht verschiedener Interessenlagen beleuchtet und multiperspektivisch erschlossen
werden. Soweit eben möglich sollten daher Bildungsprogramme internationale Begegnungen
eröffnen, sollten Positionen im Bildungsprozess selbst zu Wort kommen oder zumindest über
authentische Quellen zur Kenntnis gebracht werden. Damit steht Globales Lernen vor der
schwierigen Aufgabe, eine globale Anschauungsweise in der Erziehung zu verknüpfen mit der
Anerkennung der kultur- und interessengebundenen Vielfalt der Perspektiven, die Welt zu
betrachten.
Diese Umdeutung einer globalen Anschauungsweise in eine multiperspektivische
Betrachtungsweise sollte uns vor zwei elementaren Irrtümern bewahren, die allzu häufig mit
Globalem Lernen einhergehen: zum einen vor dem unzulässigen Anspruch, der Menschheit
eine einheitliche Weltdeutung aufzwingen zu wollen – genau aus diesem Grunde wird auch
die Globalisierung, wie sie sich heute vollzieht, von vielen Menschen im Süden als
Fortsetzung des Kolonialismus, der Fremdbestimmung, erfahren – und globales Lernen als
Kolonialismus mit pädagogischen Mitteln. Zum anderen sollten wir uns auch vor der Illusion
hüten, die Globalisierung könne die Menschheit jemals in einer harmonischen
Geschwisterlichkeit vereinen. Die Unvereinbarkeit der Perspektiven, die Gegensätze der
Interessen sind nie vollständig aufhebbar, umso mehr wird es nötig sein, zu lernen,
Widersprüche auszuhalten und Konflikte konstruktiv zu bewältigen.
So gesehen sollte Globales Lernen auch als eine Pädagogik der Vielfalt praktiziert werden, als
ein Lernen in heterogenen anregenden Lernumgebungen, in denen Kinder unterschiedlichster
Herkunft, unterschiedlicher Begabung und mit verschiedenartigen Lerngewohnheiten
zusammenkommen. Die Anerkennung des von mir Verschiedenen, die Fähigkeit, dem mir
Fremden ohne Angst begegnen zu können, sind die wichtigsten Schritt zur Weltoffenheit.
Empirische Untersuchungen zeigen , dass beispielsweise Kinder, die in Integrationsklassen,
d.h. gemeinsam mit behinderten Kindern, unterrichtet werden, in der Regel auch ein weitaus
höheres Maß an Kompetenz im Umgang mit Angehörigen anderer Kulturen aufweisen und so
gesehen weniger anfällig für Fremdenfeindlichkeit sind als Kinder, die eine Regel-Schule
durchlaufen.
Die Vielfalt der Welt im Nahen wie im Fernen zu erschließen, ist daher eine der vornehmsten
Aufgaben Globalen Lernens. Vor diesem Hintergrund bin ich auch von der pragmatischen
Position sehr enttäuscht, die mittlerweile zahlreiche Vertreter des us-amerikanischen Global-
Education-Diskurses vertreten. Lee Anderson, der vor dreißig Jahren eine der ersten und bis
heute wichtigsten Studien zum Globalen Lernen vorgelegt hatte, will heute die Forderung
nach einer Internationalisierung des Bildungswesen nur noch aus den Sachzwängen einer
veränderten weltwirtschaftlichen und weltpolitischen Problemlage ableiten.
Anderson vergleicht die Frage, weshalb die Erziehung zu globalisieren ist, mit der Frage,
weshalb in amerikanischen Fahrschulen das Fahren auf der rechten Straßenseite beigebracht
werden soll. Der Rechtsverkehr sei dem Linksverkehr an sich nicht überlegen - entscheidend
sei allein die Funktionalität der Straßenverkehrsordnung. Wenn man sich landesweit für den
Rechtsverkehr entschieden habe, müsse sich allerdings auch die Autofahrerausbildung daran
orientieren - so wie die Allgemeinbildung nicht umhin komme, sich zu globalisieren, weil
sich das gesellschaftliche Leben globalisiert. Globales Lernen ist so gesehen nur eine
funktionale Notwendigkeit in einer globalisierten Welt, ihm kommt keine besondere Qualität
zu, die es gegenüber einer national orientierten Bildung auszeichnet. Wir haben einfach keine
andere Wahl, wenn wir uns einmal auf die Globalisierung eingelassen haben. Aber
Globalisierung sei, wie der Rechts- oder Linksverkehr, zunächst mal kein Wert an sich.
Doch trifft es zu, dass die weltweite Vernetzung der sozialen Beziehungen, und die
Ausweitung unseres Empfindens für Recht und Unrecht auf die gesamte Menschheit
tatsächlich keinen ethischen Unterschied macht gegenüber einer fragmentierten Weltordnung,
in der sich nationale oder ethnische Gemeinschaften jeweils selbst genügen? Und dass damit
auch dem Anliegen Globalen Lernens, die Verständigung zwischen den Kulturen zu fördern,
kein besonderer Wert gegenüber einer Bildungsidee zukommt, die sich dieser Aufgabe
verweigert?
Es mag sein, dass es die nüchterne pragmatische Argumentation vieler amerikanischer
Vertreter eines Globalen Lernens leichter macht, die Internationalisierung unseres
Bildungswesens auch politisch durchzusetzen. Als Motivation und Orientierung für ein
pädagogisches Handeln im Welthorizont reicht mir dies nicht. Da halte ich es eher mit der
europäischen idealistischen Tradition, die das Projekt einer kosmopolitischen Welt zeichnet,
in der die Vielfalt menschlicher Lebensformen nicht durch unüberwindbare räumliche,
politische oder kulturelle Grenzen beschränkt werden soll.
Globales Lernen kann daher auch nicht nur als eine lästige Notwendigkeit verstanden werden,
den Anforderungen einer globalisierten Welt mit pädagogischen Mitteln genügen zu müssen.
Es muss vielmehr als ein visionäres, und insofern eben auch idealistisches Projekt begriffen
werden, das von dem Impuls getragen ist, den unendlichen Reichtum zu erschließen, der in
der Begegnung und Kooperation zwischen den Menschen und den Kulturen liegt. Diese
Auffassung Globalen Lernens knüpft an den Kern der kosmopolitischen Tradition an: die
Menschlichkeit des Menschen kann nur im planetarischen Maßstab zur Geltung gebracht
werden, in der friedlichen Koexistenz aller Menschen, und in der weltweiten Humanisierung
der Lebensverhältnisse.
Machen wir uns in diesem Sinne auf die Suche nach Worten, die nahe liegen, aber zugleich
das Abenteuer der Ferne erschließen.
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| Erstellt: | Modifiziert: 13.11.01 |