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Globales Lernen: Dokumente |
HOMEPAGE Was ist Globales Lernen? |
Arbeitskreis „Bildung für eine nachhaltige Entwicklung“
des Zukunftsrats Hamburg
Umweltbildung und Globales Lernen als
Voraussetzungen für eine zukunftsfähige Entwicklung Hamburgs
Bildung ist eine unerlässliche Voraussetzung für
die Förderung einer nachhaltigen Entwicklung und die Verbesserung der Fähigkeit,
sich mit Umwelt- und Entwicklungsfragen auseinander zu setzen. Agenda 21,
Kap.36.3
1. Politischer Rahmen
In der Agenda 21 von Rio hat sich die Völkergemeinschaft zur „nachhaltigen
Entwicklung“ als gesellschaftspolitischem Paradigma bekannt und verpflichtet.
Kernelemente sind die Integration von Umweltschutz und gerechter Entwicklung
sowie die Überwindung sektoralen Denkens und lokaler Beschränkung. Im Rahmen
einer globalen Strukturpolitik wird von den Industrieländern des Nordens
erwartet, dass sie den ärmeren Ländern des Südens Handlungsspielraum für
eine eigenständige Entwicklung einräumen. Durch eine Politik des überregionalen
Umweltschutzes, der Ressourcenschonung und des entwicklungspolitischen
Ausgleichs sollen die dafür notwendige Rohstoffnutzung und soziale Entwicklung
ermöglicht werden.
Um dieses Ziel zu erreichen, bedarf es einer Verankerung des
Nachhaltigkeitskonzepts in der Gesellschaft durch die
„Neuausrichtung der Bildung auf eine nachhaltige Entwicklung“ (Agenda 21,
Kap.36). Dieser Aufgabe muss sich
schulische Erziehung ebenso stellen wie außerschulische Bildung. Für erstere
hat der Orientierungsrahmen „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ der
Bund-Länder-Kommission (BLK) für Bildungsplanung und Forschungsförderung 1999
Ziele formuliert und die Umsetzung durch Modellvorhaben, Forschungsprojekte,
Lehrerfortbildung und Kooperation in internationalen Netzwerken angeregt. Am 29.
Juni 2000 forderte der Deutsche Bundestag mit dem Beschluss „Bildung für eine
nachhaltige Entwicklung“ die Bundesregierung auf, die bestehenden Ansätze zu
fördern und auszubauen. Einen neuen Akzent setzte der Bundestag mit der
Entscheidung, die entwicklungspolitische Bildung als zweite Säule einer Bildung
für nachhaltige Entwicklung herauszustellen und sie in gleichem Umfang wie die
Umweltbildung zu fördern. Verstärkt wurde diese Initiative durch die
Abschlusserklärung des Kongresses „Bildung 21 – Lernen für eine gerechte
und zukunftsfähige Entwicklung“ im September 2000 in Bonn. Nun ist es Aufgabe
der Länder, das Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung in der Schulpolitik und
zusammen mit gesellschaftlichen Bildungsträgern umzusetzen.
2. Umweltbildung und Globales Lernen
In Hamburg haben sich die beiden Säulen einer Bildung für nachhaltige
Entwicklung – Umweltbildung und entwicklungspolitische Bildung – in den
letzten Jahren weitgehend getrennt voneinander entwickelt und unterliegen
ungleicher öffentlicher Wahrnehmung und Gewichtung.
Nach dem Hamburgischen Schulgesetz ist Umwelterziehung eines von mehreren
Aufgabengebieten, die quer zu den
Schulfächern wichtige gesellschaftliche Anliegen abbilden und in
schulspezifischen Bildungsprofilen zu konkretisieren
sind. Das Zentrum für Schulbiologie und Umwelterziehung (ZSU) bietet
Lehrpersonen wie Schülerinnen und Schülern
umfangreichen Service bei der Umsetzung. Wichtige Impulse für die
Neuorientierung von Schulen im Sinne der Nachhaltigkeit bieten derzeit Projekte
wie „Umweltschule in Europa“, „fifty-fifty“ oder der Hamburger
BLK-Modellversuch „Nachhaltigkeits-Audit an Schulen“. Die Beteiligung
Hamburger Schulen an internationalen Vernetzungsprojekten wie „Green“, „Globe“
oder dem WHO-Netzwerk „gesundheitsfördernde Schulen“ vermittelt globale
Zusammenhänge. Viele Schulen stellen bereits natur- und umweltbezogene Aspekte
nicht nur in den Mittelpunkt einer Neugestaltung des Unterrichts und des
Schulalltags, sondern machen diese zum Ausgangspunkt für den verantwortlichen
Umgang Jugendlicher mit der Welt und ihrer eigenen Zukunft.
Jenseits der formalen Schulbildung spricht seit über 7 Jahren
der Arbeitskreis der Hamburger UmweltpädagogInnen mit ca. 20
Mitglieds-Institutionen und -Verbänden[1] neben Schulklassen auch Familien,
Betriebe und Vereine an.
Ausgehend von den konkreten umweltpolitischen Handlungszielen, die das Kursbuch
der Umweltbehörde aufgezeigt hat, werden kommunikative und planerische Methoden
eingesetzt, die größere Zusammenhänge erkennen lassen und
Mitgestaltungsmöglichkeiten nutzen. Neben klassischen Angeboten zur
Umweltbildung wie Abenteuercamps, Kindergeburtstagen und ökologischen
Betriebsausflügen, die mehr dem Naturerleben dienen, regt das Projekt „Uns
gehört die Zukunft“ speziell Kinder und Jugendliche an, sich an der lokalen
Agenda 21 zu beteiligen. Es ermöglicht eine Auseinandersetzung mit unserer
Kultur und ihren Werten und bezieht dabei auch entwicklungspolitische
Fragestellungen mit ein.
Entwicklungspolitische Bildung hat sich in Hamburg in den letzten Jahren
mehr und mehr von einer Dritte/Eine Welt Pädagogik zu Globalem Lernen
weiterentwickelt. Dabei vernetzen sich zunehmend schulische und außerschulische
Einrichtungen. Träger dieses Prozesses sind vor allem das Institut für
Lehrerfortbildung, das Werkstatt 3-Bildungswerk, das Eine Welt Netzwerk Hamburg
und kirchliche Einrichtungen wie das Pädagogisch-Theologische Institut.
Zentrales Anliegen dieser neuen Form der entwicklungspolitischen Bildung ist es,
Menschen zu befähigen, ihren eigenen Standort im Rahmen von
Globalisierungsprozessen zu reflektieren und Entscheidungen über persönliches
Handeln im Hinblick auf eine zukunftsfähige Alltagsgestaltung zu treffen. An
konkreten Beispielen wird aufgezeigt, in welcher Weise globale Prozesse unser tägliches
Leben beeinflussen und welche weitreichenden Wirkungen eigenes Konsumverhalten
und lokales Handeln haben. Genannt seien hier der Bildungsserver zum Globalen
Lernen, das Programm des Schulcafés Agenda 21 vom Werkstatt3-Bildungswerk und
der Themenschwerpunkt „Wasser“ des Eine Welt Netzwerks Hamburg.
Dabei spielen die weltweiten Handelsverflechtungen Hamburgs als Ausgangspunkt für
forschendes Lernen eine wichtige Rolle. Da dem Einsatz Neuer Medien innerhalb
des Globalen Lernens für die Informationsbeschaffung und die weltweite
Kommunikation große Bedeutung zukommt, werden Medienkompetenz und
Chancengerechtigkeit innerhalb einer globalen Wissensgesellschaft gleichzeitig
zu wichtigen Bildungsthemen.
Über diese innovativen Ansätze darf man jedoch nicht verkennen, dass
unterrichtliche Vorhaben, die Entwicklungsthemen in einen aktuellen und globalen
Zusammenhang stellen, in vielen Schulen noch der Initiative
einzelner LehrerInnen überlassen sind. Die strukturellen Rahmenbedingungen für
die im Zuge der Globalisierung
wachsende Bedeutung dieses Bildungsbereichs müssen zügig und wirkungsvoll
verbessert werden.
3. Auf dem Weg zu einer Bildung für nachhaltige Entwicklung
Die naturwissenschaftlich orientierte Umweltbildung alten Stils muss sich ebenso
wie die noch häufig auf Entwicklungshilfe und „Dritte Welt“-Themen
ausgerichtete entwicklungspolitische Bildung für benachbarte Arbeitsbereiche öffnen
und lokal-globale Wechselwirkungen und ethische Fragen in den Blick nehmen. Eine
gemeinsame Ausrichtung auf das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung sollte
dabei Ausgangspunkt für Kooperationen werden.
Im schulischen Bereich bedarf es einer gleichberechtigten Berücksichtigung
beider Bildungsaufgaben (Umwelterziehung und Globales Lernen) als eigenständige
Aufgabengebiete mit entsprechenden Rahmenplänen und
Förderungsstrukturen. Nur durch die Verdeutlichung der jeweiligen thematischen
Schwerpunkte und methodischen
Stärken kann das Ziel eines Zusammengehens zur Bildung für nachhaltige
Entwicklung verfolgt werden. Dabei ist im
Auge zu behalten, dass weitere Bildungsbereiche wie Interkulturelle Erziehung,
Verkehrs- und Gesundheitserziehung
ebenfalls das Ziel einer Bildung für nachhaltige Entwicklung anstreben sollen.
In der weniger formalisierten außerschulischen Bildung – von der
Volkshochschule über die Bildungsangebote von
Umwelt- und Dritte Welt-Verbänden bis zur kirchlichen Bildungsarbeit – können
bestehende Initiativen leichter
gemeinsame Konzepte und Angebote für eine Bildung für nachhaltige Entwicklung
erarbeiten und umsetzen.
Um die bestehende Trennung zwischen schulischer und außerschulischer Bildung zu
überwinden und zu gemeinsamen
Projekten zu kommen, die breitere gesellschaftliche Wirkung entfalten, sind stärkere
Bemühungen notwendig. In diese Bemühungen sollten auch Kooperationen mit
Unternehmen eingeschlossen werden, soweit diese im Sinne der Agenda 21 an einer
Beteiligung und Reform der Bildung interessiert sind.
Wesentlich für den Erfolg einer Bildung für nachhaltige Entwicklung ist nicht
zuletzt die Vernetzung mit entsprechenden Ansätzen im Hochschulbereich. Derzeit
mangelt es an einer breiten akademischen Unterstützung von Umweltbildung und
Globalem Lernen, z.B. in der Schulentwicklung und Lehrerausbildung.
4. Gemeinsame Vorhaben
Damit Bildung ihre volle Wirkung für eine zukunftsfähige Entwicklung Hamburgs
entfalten kann, bedarf es gemeinsamer Anstrengungen, politischer Unterstützung
und behördlicher Maßnahmen. Folgende übergreifende Vorhaben erscheinen
dringlich:
Die systematische und nachvollziehbare Umsetzung der Vorgaben, die der Bundestag
in seiner Entschließung
„Bildung für nachhaltige Entwicklung“ und der Kongress „Bildung 21 –
Lernen für eine zukunftsfähige und gerechte
Entwicklung“ formulierten. Hierfür sollten gemeinsame Arbeitsgruppen der
Verwaltung, insbesondere der Behörde
für Schule, Jugend und Berufsbildung, mit Nichtregierungsorganisationen
gebildet werden.
· Ein Bildungskongress „10 Jahre nach Rio“ im April 2002, der eine
Bestandsaufnahme mit weiteren Perspektiven
einer (formalen wie außerschulischen) Bildung für nachhaltige Entwicklung in
Hamburg verbindet.
· Die Entwicklung von Qualitätskriterien und Indikatoren für Bildungsmaßnahmen,
die tatsächlich eine nachhaltige
Entwicklung im ganzheitlichen Sinne (ökologisch, ökonomisch, sozial) fördern
und umsetzen – wie sie z.B. von
einigen Hamburger Schulen durch ein „Nachhaltigkeits-Audit“ im Rahmen des
BLK-Programm 21 angestrebt werden. Auch diese Maßnahmen sollten in Kooperation
zwischen Staat und Nichtregierungsorganisationen erarbeitet
werden.
· Projekte wie „Uns gehört die Zukunft“ oder „Schulcafé Agenda 21“
sollen ausgebaut werden. Über eine stärkere
Verbindung schulischer und außerschulischer Angebote und mit ausreichender öffentlicher
Förderung soll gesellschaftliche Breitenwirkung erreicht werden.
· In einem Projekt „Hamburg – Tor zur Welt“ unter Beteiligung von
Schulbehörde, Handelskammer, Hamburger
Abendblatt und Zukunftsrat sollen Klassen oder Projektgruppen Hamburger Schulen
exemplarisch untersuchen, wie
sich Hamburger global players am Weltmarkt behaupten und welche Rolle für sie
dabei das Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung im Sinne der Agenda 21 spielt.
Sie erhalten dafür praktische Hilfen von den ausgewählten
Unternehmen, vom Institut für Lehrerfortbildung und ggf. von
Zukunftsratsmitgliedern, dem Eine Welt Netzwerk
Hamburg und Umweltverbänden.
[1] Wie BUND, Ökomarkt e.V., Stiftung Natur und Pflanzen,
Stiftung Deutscher Wald, Umweltzentrum Karlshöhe
| Erstellt: 13.12.96 | Modifiziert: 06.10.01 |